Bordeaux (SID) - Die Frage des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy war berechtigt. "Wie macht ihr Spanier das bloß?", wollte der Staatschef vom wohl zukünftigen Toursieger Alberto Contador wissen und zielte auf die unglaublichen Erfolge der Iberer im Sport ab. Egal ob im Fußball, Basketball, Tennis oder Radsport - der Sportsommer spricht spanisch. Eine Fiesta jagt die nächste. Am Sonntag ist es wieder soweit, wenn in Paris das Gelbe Trikot für Contador zum Abholen bereit liegt.

Der dritte Toursieg Contadors, der dem 27-Jährigen trotz des geringen Vorsprungs von acht Sekunden auf den Luxemburger Andy Schleck angesichts seiner überragenden Zeitfahr-Qualitäten wohl nicht mehr zu nehmen ist, wäre der vorläufige Höhepunkt einer verblüffenden Erfolgsserie. Vor gut zwei Wochen holten sich die spanischen Fußballer nach dem EM- auch den WM-Titel, Tennisprofi Rafael Nadal siegte in Wimbledon und führt die Weltrangliste an. Die spanischen Basketballer um Superstar Pau Gasol dürfen sich ebenfalls Welt- und Europameister nennenn, dazu dreht der zweimalige Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso immer noch schnelle Runden, im Handball und neuerdings auch im Volleyball sind Siege ebenfalls an der Tagesordnung, ganz zu schweigen von den vielen Erfolgen im Motorradsport.

Anti-Doping-Experte Franke übt Kritik

"Wie machen die Spanier das bloß?", fragt sich nicht nur Sarkozy zurecht. Ein Land mit gut 47 Millionen Einwohnern dominiert die Sportwelt. Für Anti-Doping-Experten wie Werner Franke gibt es dafür eine plausible Antwort. "Es gab und es gibt bestimmte korrupte Länder aus dem Mittelmeerraum, die schon mit der Finanzkrise bekannt geworden sind", sagt der Heidelberger Molekularbiologe dem SID und lässt kein gutes Haar an Spanien.

Spanien, das Eldorado der Dopingsünder also. Das Land mit der laxen Anti-Doping-Politik, wo angesichts der gelockerten Kontrollen Sportbetrüger ruhiger schlafen als sonstwo. Wo die keineswegs unabhängige Anti-Doping-Agentur (CSD) der Regierung untergeordnet ist. Wo Dopingärzte wie Eufemiano Fuentes Blut panschten und auch heute noch ihr Unwesen treiben sollen. Der Verdacht ist ständiger Begleiter der Sportstars aus dem Land hinter den Pyrenäen. Der französische Sportarzt Gerard Guillaume hatte es mal auf den Punkt gebracht. Spanien sei die Drehscheibe des europäischen Dopings - in jeder Sportart.

Arbeitslosenquote von gut 20 Prozent

Worte, die der stolze spanische Sportminister Jaime Lissavetzky ("Ich akzeptiere keine Kritik, die unseren Sport beschmutzt") nicht hören will. Viel lieber sonnt sich die Politik im Glanz der "Campeones". Regierungschef Jose Luis Zapatero hofft, dass die Erfolge dem kriselnden Land neuen Mut bescheren und die lahmende Wirtschaft wieder ankurbeln. Denn Spanien ist nach Griechenland der nächste EU-Wackelkandidat. Im Zuge des Immobiliencrashs und der Weltwirtschaftskrise drücken hohe Schulden auf das Land, das eine Arbeitslosenquote von gut 20 Prozent aufweist.