Barcelona (SID) - Am Dienstag beginnen in Barcelona die 20. Europameisterschaften der Leichtathleten und die deutschen Funktionäre versagen sich Prognosen, um am Ende nicht zu sehr danebenzuliegen. Dabei scheint alles so einfach, denn es gibt gleich zwei gute Omen: Bei der letzten EM 2006 in Göteborg holte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) vier Siege und zehn Medaillen. Und bei Olympia 1992 in der künftigen EM-Arena am Montjuic ebenfalls.

Selbst DLV-Präsident Clemens Prokop lehnt eine Prognose ab, obwohl er ein Jahr nach dem Olympia-Debakel von Peking (nur einmal Bronze) mit seinem kühnen Tipp für die WM 2009 in Berlin goldrichtig lag. Damals folgte er ebenfalls einem Gesetz der Serie: "Bei der WM 2003 gab es drei, 2005 fünf, 2007 sieben Medaillen: Also werden es 2009 neun."

Stark genug für erneut zehnmal Edelmetall scheint das 73-köpfige Team mit seinen rund 20 Medaillenaspiranten allemal. In 47 Disziplinen gibt es 14 Platzierungen von eins bis drei in der Europarangliste. "Und unser Diskus-Weltmeister Robert Harting ist als Vierter noch nicht einmal mitgerechnet", sagt Prokop über den Berliner Hünen, der selbstbewusst sagt: "Ich will stärker sein als der Rest der Welt."

Überraschende Favoriten

Nummer eins auf dem Kontinent sind Athleten, die man dort vor Monaten noch nicht erwartet hätte: Carolin Nytra (Bremen) in 12,57 Sekunden über 100m Hürden, die WM-Sechste Nadine Müller (Halle/Saale) mit 67,78m im Diskuswerfen, Christian Reif (Ludwigshafen) mit 8,27m im Weitsprung und Carolin Hingst (Mainz) mit 4,72m im Stabhochsprung.

Gleichauf mit Frankreich ist auch die 4x100-m-Staffel der Männer in 38,50 Sekunden Erste. Auf dem Silberrang liegen die Frauenstaffel über 4x100 und 4x400m sowie die Höhenjäger: Die WM-Dritte Ariane Friedrich (Frankfurt) mit 2,02m sowie als weitere Stabhochspringer die WM-Vierte Silke Spiegelburg (Leverkusen) mit 4,71m, der Olympiasechste Raphael Holzdeppe (Zweibrücken) und der Münchner Hallen-WM-Zweite Malte Mohr (je 5,80).

"Ich will mindestens Zweite werden", sagt Hammerwerferin Betty Heidler (Frankfurt), die 2007 WM-Gold und 2009 WM-Silber gewann. In der Rangliste ist sie ebenso Dritte wie die Leverkusener Siebenkampf-Vize-Weltmeisterin Jennifer Oeser (6427 Punkte). Auf dem Bronzeplatz liegt auch Sabrina Mockenhaupt (Köln) mit 31:26,55 Minuten über 10.000m.