Rio de Janeiro (SID) - Die Trennung von Trainer Dunga war dem brasilianischen Verband gerade einmal drei Zeilen wert. Schon gut zehn Stunden nach der Rückkehr des Rekordweltmeisters von der enttäuschend verlaufenen Fußball-WM in Südafrika gab der CBF dem Nationaltrainer den Laufpass. In einer Kurzmitteilung auf seiner Homepage wurde die Trennung bekannt gegeben.

Auch Dungas Trainerstab um Assistent Jorginho (Ex-Bundesliga-Profi von Bayer Leverkusen und Bayern München) muss mitgehen. Bis Ende Juli will der CBF seinen neuen Coach vorstellen. Insgesamt werden im Augenblick fünf Kandidaten für die Dunga-Nachfolge gehandelt: Ex-Weltmeister-Trainer Luiz Felipe Scolari (Palmeiras), Mano Menezes (Corinthians), Muricy Ramalho (Fluminense), Ricardo Gomes (FC Sao Paulo) und Leonardo (zuletzt AC Mailand).

Aber die Suche, die sofort einsetzte, wird nicht einfach. Schließlich gilt es, den geeigneten Mann zu finden, der den fünfmaligen Weltmeister im Hinblick auf die Heim-WM 2014 vorbereitet und möglichst zur "Hexa", den sechsten Titelgewinn, führt. "Es muss ein unabhängiger Mann sein, sehr erfahren, der Regen und Stürme aushalten kann. Er muss klar definierte Vorstellungen haben, denn an gut gemeinten Ratschlägen fehlt es in Brasilien nicht. Der Druck wird viel größer sein als jetzt, denn eine WM im Ausland zu gewinnen ist viel einfacher, als es zu Hause zu schaffen", sagte Carlos Alberto Parreira, brasilianischer Weltmeistercoach von 1994 und bei der WM in Südafrika für das Gastgeberland verantwortlich.

Wunschkandidat Scolari sagt ab

Scolari, Kandidat Nr. 1, hat bereits angekündigt, dass er bis Ende 2012 seinem neuen Arbeitgeber Palmeiras Sao Paulo treu bleiben will. Erst danach könne sich der Weltmeister-Coach von 2002 vorstellen, eine Mannschaft mit Blick auf die WM-Endrunde 2014 zu übernehmen.

Der ebenfalls gehandelte Menezes von Pokalsieger Corinthians Sao Paulo bekam vorerst von seinem Vereinspräsidenten einen Riegel vorgeschoben. "Mano hat einen Vertrag bis 2011, und es gibt keine Gespräche mit dem CBF", erklärte Klub-Boss Andres Sanchez, der als Delegationsleiter der "Selecao" in Südafrika dabei war. Leonardo, der bei Milan nicht viel bewirken konnte, wird von vielen Experten als zu "grün" bezeichnet.

Für Dunga sollte die Trennung - trotz seiner Aussagen nach der Ankunft in Brasilien - letztendlich keine Überraschung gewesen sein. Direkt nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Niederlande (1:2) war der 46-Jährige schon davon ausgegangen, dass seine Dienste nicht mehr gefragt sein würden. "Man wusste vom Beginn meiner Arbeit an, dass es vier Jahre sein werden", hatte der Weltmeister-Kapitän von 1994 erklärt. Die Zeichen standen - ohne Wenn und Aber - seit dem Abpfiff der Holland-Begegnung am vergangenen Freitag in Port Elizabeth auf Abschied.