München (SID) - Sonja Pfeilschifter hatte nach Platz 16 Tränen in den Augen, Susanne Kiermayer erklärte nach Rang 27 ihren Rücktritt - Deutschlands Sportschützen blieb zum Auftakt der Heim-WM in München nur eine Team-Goldmedaille als Trost. In den wichtigen ersten vier olympischen Entscheidungen blieben die Gastgeber dagegen ohne das erträumte Edelmetall. Jessica Mager und Beate Gauß schossen auf den Plätzen 5 und 6 immerhin die ersten Startplätze für Olympia 2012 ab.

"Natürlich hatte ich mehr erwartet. Jetzt gehe ich erstmal in die Kabine und lasse meine Wut raus", sagte die als Goldfavoritin angetretene Pfeilschifter. Nach dem enttäuschenden 16. Platz mit dem Luftgewehr weinte die 39 Jahre alte Goldfavoritin, obwohl es gemeinsam mit den Youngstern Mager (22) und Gauß (25) mit 1190 Ringen zum Titel im nicht-olympischen Team-Wettbewerb gereicht hatte: "Natürlich ist die Goldmedaille schön, aber der Wettbewerb ist halt nicht olympisch."

Pfeilschifter verliert Weltrekord an Yi

Zudem verlor die wie schon oft bei Olympia am Druck gescheiterte Lokalamatdorin Pfeilschifter ihren Weltrekord an die Chinesin Siling Yi, die mit 505,6 Ringen Gold gewann. Sportdirektor Heiner Gabelmann wollte trotz des ausgegebenen Ziels von mindestens vier Medaillen in den 15 olympischen Entscheidungen noch nicht von einer Krise reden: "Sicher hätten wir gern zum Auftakt eine olympische Medaille geholt, aber die Anwärter Pfeilschifter und Kiermayer haben ihre Chancen nicht genutzt. Aber wir haben das Team-Gold und zwei Olympiaplätze geholt, und es waren viele Zuschauer auf der Anlage."

Die 5000 Besucher hatten bei strahlendem Sonnenschein aus deutscher Sicht aber wenig Grund zur Freude. Susanne Kiermayer, die nach ihrem vor einem Monat gewonnen EM-Titel als Mitfavoritin angetreten war, enttäuschte im Trap als 27. restlos. "Die Form war da, aber das Problem saß zwischen den Ohren. Mit Gewalt kann man keinen Ochsen melken. Ich gehe in den sportlichen Ruhestand", sagte die 42-jährige Kiermayer. Nach dieser "Klatsche" (Bundestrainer Wilhelm Metelmann) will sie sich nun ganz ihrem Job als Tierphysiotherapeutin widmen.

Junioren sorgen für versöhnlichen Abschluss

Im Luftgewehr-Wettbewerb hatte Jürgen Wallowsky beim Triumph des Italieners Niccolo Campriani als 16. zuvor das Finale um einen Ring durch eine Neun im letzten Schuss verpasst. Im Wettbewerb Freie Pistole leistete sich Abdullah Ustaoglu sogar zwei Siebener zum Abschluss - und landete statt im Finale nur auf Platz 23. "Das waren die Nerven - ganz klar. Vor heimischem Publikum ist es ganz schwer, das ist kein Vorteil", sagte Pistolen-Bundestrainer Peter Kraneis.