Singapur (SID) - Vier Wochen nach dem Ende der WM in Südafrika herrscht Unruhe beim Fußball-Weltverband FIFA: Am Mittwoch eröffnete die FIFA ein Ermittlungsverfahren gegen WM-Teilnehmer Nordkorea wegen angeblicher Demütigungen von Nationalspielern sowie Trainer Kim Jong-Hun, zudem sorgen die schwelenden Diskussionen über die Einführung einer Torkamera weiter für Zündstoff.

Zwar kündigte Joseph S. Blatter in Singapur erneut an, dass der technische Ausschuss des International Football Association Board (IFAB) im Oktober über die sogenannte Torlinien-Technologie beraten werde, ein Fan dieser Neuerung ist der FIFA-Boss aber weiterhin nicht. Der Schweizer gilt als ausgewiesener Gegner von technischen Hilfsmitteln im Fußball.

"Bei diesem Meeting steht die Torlinien-Technologie auf der Tagesordnung. Meine persönliche Meinung zu diesem Thema hat sich aber nie geändert. Ich habe immer gesagt, wenn wir ein exaktes und einfaches System haben, dann führen wir es ein. Aber bislang waren die vorgestellten Systeme weder exakt noch einfach", sagte Blatter. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Torkamera eingeführt wird, ist damit weiter äußerst gering.

Auch das politische System in Nordkorea stellt die FIFA derzeit vor große Probleme. Gerüchte über öffentliche Demütigungen der nordkoreanischen Nationalspieler sowie Strafarbeit für Trainer Kim Jong-Hun sorgen beim Weltverband für Aufruhr. Blatter bestätigte, dass der Weltverband bereits Ermittlungen gegen Nordkorea aufgenommen hat.

"Wir haben dem nordkoreanischen Fußball-Verband einen Brief geschrieben. Wir wollen herausfinden, ob die Medienberichte über die Bestrafungen einiger Spieler und des Trainers wahr sind. Das ist ein erster Schritt, wir werden sehen, was wir für eine Antwort bekommen. Es ist nicht einfach", sagte Blatter.

Nordkorea war bei der WM in Südafrika nach drei Pleiten in der Vorrunde sang- und klanglos ausgeschieden. Im Auftaktmatch gegen Brasilien (1:2) hatte das Team um den Neu-Bochumer Jong Tae-Se lange gut mitgehalten, gegen Portugal (0:7) und die Elfenbeinküste (0:3) war Nordkorea jedoch chancenlos.

Dass ausgerechnet das 0:7-Debakel gegen Portugal erstmals in der Geschichte Nordkoreas live im TV übertragen wurde, schmerzte vor allem Diktator Kim Jong-Il. Die Führung des kommunistische Regimes hatte deshalb alle Nationalspieler nach der Rückkehr aus Südafrika aufgefordert, Trainer Kim öffentlich zu kritisieren.