Paris (SID) - Der französische Fußball-Verband (FFF) hat nach der Schmach von Südafrika hart gegen die WM-Rebellen durchgegriffen. Die Disziplinar-Kommission verhängte gegen Stürmer Nicolas Anelka vom FC Chelsea nach einer Anhörung am Dienstag in Paris eine Länderspiel-Sperre von 18 Spielen. Das dürfte für den 31-Jährigen, der 69-mal für Frankreich auflief (14 Tore), gleichbedeutend mit dem Ende der internationalen Karriere sein. Die Qualifikation für die EM-Endrunde in Polen und der Ukraine 2012 umfasst zehn Spiele.

"Wir wollten mit der Bestrafung von Anelka ein Zeichen setzen", sagte der Kommissions-Vorsitzende Jean Mazzella. Anelka war ebenso wenig zur Anhörung des Verbandes angereist wie Bayern Münchens Mittelfeldstar Frank Ribery, der vom Verein keine Reiseerlaubnis erhalten hatte. Ribery, Co-Kapitän der Equipe Tricolore in Südafrika, kam mit einer Sperre von drei Spielen vergleichsweise glimpflich davon, Spielführer Patrice Evra von Manchester United bekam für seine Rolle in der Revolte vor Ort fünf Spiele Sperre. Eine Begegnung aussetzen muss Jeremy Toulalan vom einstigen Serienmeister Olympique Lyon, mit einem blauen Auge davon kam Eric Abidal vom FC Barcelona; er wurde nicht gesperrt. Dies gab der Verband am Dienstag bekannt.

Anelka als Auslöser der Vorfälle

Anelka war der Auslöser für beispiellose Vorfälle während der WM am Kap. Der Stürmerstar hatte sich im Gruppenspiel der Franzosen gegen Mexiko (0:2) in der Halbzeit einen lautstarken Disput mit Nationaltrainer Raymond Domenech geliefert und wurde auch verbal ausfallend. Anelka war daraufhin nach Hause geschickt worden. Vor dem letzten Spiel gegen Südafrika bestreikte die Mannschaft das Training.

Delegations-Leiter Jean-Louis Valentin war nach dem blamablen Vorfall sofort zurückgetreten. "Die Spieler realisieren jetzt, dass sie so etwas nie hätten tun dürfen", sagte Valentin. Evra, Toulalan und Abidal verließen den Ort der Befragung, ohne einen Kommentar abzugeben. Ex-Nationaltrainer Domenech verschwand unbemerkt.

Das Auftreten der Nachfolger des Fußball-Weltmeisters von 1998 hatte in der Grande Nation hohe Wellen geschlagen. Die Politik forderte harte Sanktionen. "Das Bild, das das französische Team in Südafrika abgegeben hat? Katastrophal! Ich sage: 'Diejenigen, die verantwortlich sind, müssen gehen.' Sie sind mittlerweile gegangen. Die Spieler sollten keine Prämien erhalten. Das werden sie auch nicht", hatte Staatspräsident Nicolas Sarkozy in einem TV-Interview gesagt.

Erinnerungen an Südafrika auslöschen