Posen (SID) - Erst ein goldenes Vorspiel, dann Tränen und Blech im Finale: Angeführt von Goldjunge Max Hoff und dem bärenstarken Zweierkajak mit Martin Hollstein/Andreas Ihle haben die deutschen Kanuten bei den Weltmeisterschaften in Posen fünf Titel und elf Medaillen erpaddelt, doch das Ziel verpasste die erfolgsverwöhnte Flotte. In den zwölf olympischen Disziplinen sprangen lediglich zwei Gold,- zwei Silber- und eine Bronzemedaille heraus. Dreimal Gold und sieben Medaillen waren die Vorgabe des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV). Bei der viermaligen Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) flossen sogar Tränen der Wut und Enttäuschung.

"Das ist ein Warnsignal. Die Trainingsqualität muss besser werden", sagte Cheftrainer Reiner Kießler nach 28 Entscheidungen mit düsterer Miene im strahlenden Sonnenschein. Besonders im Frauen-Bereich erlitt der DKV auf dem Malta-See Schiffbruch - kein Gold in den vier olympischen Klassen. "Die eine oder andere muss um ihren Platz kämpfen", sagte Kießler und fügte mit Blick auf Platz zwei in der Nationenwertung hinter Ungarn und auf London 2012 an: "Das ist ein Fingerzeig, dass wir weiter an unseren traditionellen Strecken arbeiten müssen."

Algen bremsen Wagner-Augustin

Wagner-Augustin war nach Platz sieben im Einerkajak über 500m auch nach Silber mit dem olympischen Viererkajak untröstlich: "Das waren unfaire Bedingungen. Im Vorfeld hätte man die Strecke noch einmal säubern müssen. Ich bin nur hinterhergefahren. Das war schon fast peinlich." Wagner-Augustin, die mit der nicht-olympischen Kajak-Staffel zum Abschluss immerhin ihren zehnten WM-Titel holte, hatte sich im Einer-Rennen Algen eingefangen und knallte diese im Anschluss voller Wut auf den Tisch des Schieds-Gerichtes.

Wesentlich besser war es für den DKV am ersten Finaltag gelaufen. Der Kölner Hoff verteidigte seinen Titel in der Königsdisziplin im olympischen Einerkajak über 1000m erfolgreich, die Olympiasieger Hollstein/Ihle (Neubrandenburg/Magdeburg) triumphierten im Zweierkajak. Franziska Weber (Potsdam) holte Gold im nicht-olympischen Einerkajak der Frauen. Bei der WM-Premiere über 5000m war zudem Ronald Verch (Potsdam) im Canadier der Schnellste.

Goldfahrt nach Schulterproblemen

Hoff, der über 5000m zudem Silber gewann, lag nach einem tollen Schlussspurt über den Kilometer 0,496 Sekunden vor dem Briten Tim Brabants. Im Ziel schlug der von den deutschen Fans gefeierte 27-Jährige vor Freude mit der Hand aufs Wasser. "Da ist ein unglaublicher Druck von mir abgefallen", sagte Hoff.