Melbourne (SID) - Für Heinrich Haussler ist 2010 endgültig ein verlorenes Jahr. Nach seinen Absagen für die Frühjahrsklassiker und die Tour de France ist auch der Traum von der Rad-WM in seinem Geburtsland Australien geplatzt. Der 26-Jährige wurde nicht für die Titelkämpfe vom 29. September bis 3. Oktober in Geelong nahe Melbourne nominiert.

Wie schon fast das ganze Jahr über machte dem Cervelo-Profi aus Freiburg der eigene Körper einen Strich durch die Rechnung. "Wenn ich bei einer WM an den Start gehe, will ich um den Sieg mitfahren. Das wird leider nicht möglich sein", sagte Haussler. Wegen Knieproblemen hat er in dieser Saison nur wenige Renntage bestritten: "Die WM in meiner Heimat wäre ein Traum gewesen, aber ich bin noch nicht bereit."

Haussler hatte für seinen großen Traum im Juli nach langem Zögern die deutsche Staatsbürgerschaft zurückgegeben. "Ich kam zu einem Punkt in meinem Leben, wo ich mich entschied, meinen Gefühlen zu folgen. Ich fühle mich mehr als Australier", sagte er. Der Schritt war notwendig, weil Haussler bereits für Deutschland, wo er seit seinem 15. Lebensjahr wohnt, gefahren war.

Anhaltende Knieprobleme nach Sturz

Doch das Schicksal wollte es anders, Hausslers persönliches Drama begann im März mit einem Sturz bei der Algarve-Rundfahrt. Wegen anhaltender Knieschmerzen verpasste er daraufhin seine Lieblingsrennen Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix.

Hinzu kamen die Negativschlagzeilen, nachdem er unter Alkoholeinfluss einen Autounfall verursacht hatte. Und als ihn der Brite Mark Cavendish bei der Tour de Suisse förmlich von der Straße räumte, meldete sich das lädierte Knie erneut. Für Haussler war auch die Tour de France gelaufen, es folgte die Operation.

Den Wettlauf mit der Zeit hat der Klassikerspezialist verloren, in Bestform wäre er einer der großen Favoriten im WM-Rennen gewesen. "Vollkommen fit wäre er im Rennen unser zweiter Kapitän neben Evans gewesen", sagte Australiens Leistungssportdirektor Shayne Bannan. Aber ihm fehle einfach die Rennhärte. Somit geht das Team Down Under mit Titelverteidiger Cadel Evans an der Spitze in das Rennen.