New York (SID) - Neue Hoffnungsträger, alte Ziele: Nur wenige Wochen nach dem WM-Trauma fangen die gestrauchelten Großmächte Brasilien und Italien am Dienstag wieder bei Null an. In den ersten Bewährungsproben der Selecao und Squadra Azzurra stehen die neuen Coaches Mano Menezes und Cesare Prandelli im Blickpunkt.

Beide Trainer haben mit ihren Kadernominierungen bereits ein Zeichen gegeben: Etliche WM-Versager wurden aussortiert, der Weg frei gemacht für die jungen Wilden. Doch Menezes weiß um den Zeitdruck bei seiner Mission. "In den ersten Spielen werden Schwankungen noch toleriert, aber danach hört dies schon auf", sagte der 48-Jährige, der Experimente wagen will, aber weiß, dass der fünfmalige Weltmeister "nicht erst in sechs Monaten" wieder gewinnen muss. Am Dienstag spielt Brasilien in New York gegen die USA.

Italien ist am gleichen Tag in London gegen die Elfenbeinküste gefordert. Eine ganze Nation hofft auf einen erfolgreichen Neubeginn nach dem peinlichen Vorrundenaus in Südafrika. "Wir müssen unsere verlorene Würde wiederfinden", forderte die Sporttageszeitung Corriere dello Sport.

"Müssen unsere Ängste überwinden"

Prandelli hat verstanden und läutete im Trainingslager im toskanischen Coverciano selbstbewusst die neue Ära ein. "Wir müssen risikobereit sein und unsere Ängste überwinden. Wir können auf tausend Schwierigkeiten stoßen, doch mit Willen und Verantwortungsbewußtsein wollen wir unsere Ziele erreichen", sagte Prandelli, der die Politik der "Erbhöfe" unter Ex-Nationaltrainer Marcello Lippi abschaffen will.

Wie zum Beweis nominierte Prandelli den 19-jährigen Mario Balotelli von Champions League-Sieger Inter Mailand und Antonio Cassano (Sampdoria Genua). Die beiden Profis waren von Lippi wegen ihres exzentrischen Charakters nicht berücksichtigt worden.

Doch der neue Coach, der vom neuen Technischen Direktor und Ex-Stürmerstar Roberto Baggio unterstützt wird, setzt bei der Bändigung des Duos auf den Dialog. "Balotelli und Cassano sind junge Talente. Oft betrachten wir sie als verwöhnte Jungen, doch ich will ihnen Vertrauen geben. Ich will mit ihnen reden", kündigte der im Gegensatz zum autoritären Lippi als äußerst umgänglich geltende Prandelli an.