Triest (SID) - Als die historische Blamage bei der WM mit einem Zittersieg gerade noch abgewendet war, tanzten die deutschen Volleyballer glücklich im Kreis. Mit dem 3:0 (27:25, 25:22, 25:20) gegen Außenseiter Kanada kämpfte sich das Team von Bundestrainer Raul Lozano in Triest doch noch in die zweite Runde. Trotz der Pleiten gegen Serbien (0:3) und Europameister Polen (2:3) ist bis zur erhofften ersten WM-Medaille seit 40 Jahren wieder alles möglich.

"Ich bin stolz auf die Mannschaft, die dem Druck standgehalten und eine so starke kämpferische Leistung gezeigt hat. Darauf kann man aufbauen", sagte Kapitän Björn Andrae. Georg Grozer war mit 19 Zählern erneut punktbester Spieler und atmete nach dem Triumph tief durch: "Mir sind viele Steine vom Herzen gefallen. Zum Glück haben wir die erste Hürde gemeistert." Bundestrainer Raul Lozano sagte: "Der erste Sieg ist immer der wichtigste. Jetzt ist wieder alles drin."

Besserer Satzpunktequotient sichert Weiterkommen

In der Abschlusstabelle der Gruppe F in Triest entschied bei Punktgleichheit mit den ebenfalls einmal siegreichen Kanadiern der bessere Satzpunktequotient für die Deutschen. Deutschland spielt als Gruppendritter nun in Catania gegen Gastgeber Italien und Puerto Rico. Für Zuspieler Patrick Steuerwald war nur eins wichtig: "Wir haben jetzt zwei Tage frei, die haben wir bitter nötig."

Nach der zweiten Niederlage am Sonntagabend gegen Polen hatten die deutschen Spieler bis 10 Uhr morgens ausgeschlafen. Trotz der schwierigen Situation - bei einer Niederlage wäre Deutschland erstmals seit 1956 sieglos von einer WM nach Hause gefahren - präsentierten sich Grozer und Co. beim Einspielen bester Laune. Ein Sieg mit mindestens drei Satzpunkten Vorsprung war Pflicht, doch den besseren Start erwischte mit einer 6:3-Führung der Weltranglisten-20. Kanada. Bundesliga-Legionär Frederic Winters vom deutschen Meister VfB Friedrichshafen konnte immer wieder punkten.

Das deutsche Team leistete sich wie in den vorangegangenen Spielen zu viele Fehler beim Aufschlag, kämpfte sich aber mit einer starken Feldabwehr zurück. Eine 21:19-Führung schenkte das deutsche Team her, wehrte jedoch nervenstark zwei Satzbälle ab und nutzte den ersten eigenen Satzball mit einem Block von Marcus Böhme zur 1:0-Führung. "Das war der erlösende Knackpunkt", sagte Max Günthör danach.

Deutsches Spiel gleicht einer Achterbahnfahrt