Köln (SID) - Mönchengladbach ist grau. Lange noch stand der Borussia-Park am Samstagmorgen im Nebel wie ein Spukschloss im Hochmoor, bei null Grad und Nieselregen wirkte es, als habe das Abstiegsgespenst persönlich seinen Schleier ausgebreitet. Nun hat sich erwiesen, dass Kreuze und Knoblauch zwar Vampire vertreiben, gegen den Abstieg jedoch helfen nur Punkte. Heute gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr, Sky und Liga total!) sollen es drei werden - obwohl die Borussia klarer Außenseiter ist.

Wäre Fußball ein logisches Spiel dann könnte der fünfmalige Meister seinen Dreier schon verbuchen. Immerhin zerlegte Mönchengladbach die Werkself am 2. Spieltag mit einem 6:3, und zwar auswärts. Doch seitdem ging es bergab. "Man sollte jetzt nicht in Statistiken verharren, sondern sich auf den Sonntag freuen", sagt Trainer Michael Frontzeck. Das 1:0 zuletzt in Nürnberg war ein Anfang, wie Sportdirektor Max Eberl zurückhaltend erklärt, aber eben auch nicht mehr. Ein weiterer Sieg gegen Bayer würde das Ergebnis veredeln.

Für die Gäste kommt es darauf an, nach dem bitteren 1:3 gegen Borussia Dortmund wieder in die Spur zu finden. Ein Auswärtsspiel kommt da gerade recht, denn dort ist Bayer meisterlich, als einzige Bundesliga-Mannschaft ungeschlagen - zu Hause jedoch Mittelmaß. "Das wird kein Spaziergang für uns", sagte Trainer Jupp Heynckes: "Wir sind gefordert."

Angstgegner Gladbach

Mönchengladbach hat sich zum Angstgegner entwickelt. In der Hinrunde, "da sind wir kalt erwischt worden, die Borussia hatte einen Sahnetag, an dem alles funktioniert hat", sagt Heynckes im Rückblick. Zudem schied die Werkself gegen die Borussia auch im DFB-Pokal aus: 5:6 nach Elfmeterschießen. Doch das "spielt alles keine Rolle mehr", behauptet Heynckes.

Das wichtigste Thema im Leverkusener Lager ist weiterhin die Personalie Michael Ballack. Wann der Kapitän der Nationalmannschaft spielt (oder besser spielen darf), ist die Frage. Zwischen dem 34-Jährigen und Heynckes bahnt sich ein Konflikt an: Ballack fühlt sich bereit, Heynckes lässt ihn Extra-Schichten schieben.

Am Freitag zog Ballack nach dem Training in einer Sprinteinheit noch Schlitten mit Gewichten hinter sich her. "Die Frage nach Michael hat immer wieder Charme. Aber ich lasse Ihnen da Interpretationsmöglichkeiten", sagt der Trainer nur. Bei Ballack klingt das so: "Ich bin bereit. Wenn man wieder kann, will man auch wieder spielen."