Köln (SID) - Uwe Krupp könnte sich eine Zukunft als Bundestrainer vorstellen, doch in der Chefetage beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) stößt eine Doppellösung auf Widerstand. "Wir wollen einen Trainer, der die ganze Sache von oben bis unten koordiniert. Diese Entscheidung haben wir getroffen, daran hat sich nichts geändert", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Krupp hatte beim Slovakia-Cup am Wochenende in Bratislava angedeutet, dass er auch nach seinem Wechsel zu den Kölner Haien im Sommer als Bundestrainer weiter zur Verfügung stehen könnte - "wenn der DEB der Meinung ist, dass eine Doppellösung die beste Lösung für das deutsche Eishockey ist". Bislang war die klare Linie beim DEB: Für den scheidenden Chefcoach, der die Nationalmannschaft bei der Heim-WM 2010 sensationell auf Platz vier geführt hatte, soll ein hauptamtlicher Nachfolger gefunden werden - möglichst vor der WM in der Slowakei (29. April bis 15. Mai).

"Es gibt gute Argumente für diese Entscheidung, warum sollten wir sie plötzlich über Bord schmeißen?", sagte Harnos, der über die Spekulationen um Krupp als Klub- und Bundestrainer "sehr überrascht" war. Der DEB hatte im November noch den Wunsch des ehemaligen NHL-Profis abgelehnt, sofort als Teamchef in Köln zu beginnen und im Nebenjob mit der Nationalmannschaft weiter zu arbeiten.

Reindl  und Klubs stellen Kandidaten-Liste zusammen

DEB-Sportdirektor Franz Reindl hat inzwischen in Abstimmung mit den DEL-Klubs eine Liste der Kandidaten für die Krupp-Nachfolge zusammengestellt. Gespräche gab es noch nicht, erst nach der Präsidiumssitzung am 28. Februar soll abgeklopft werden, was machbar ist. Das Problem: Die Favoriten Ralph Krueger, Co-Trainer beim NHL-Klub Edmonton Oilers, und Harold Kreis, Chefcoach bei den Mannheimer Adlern, stehen anderswo unter Vertrag.

"Ich sehe das ganz entspannt. Es besteht keine Not, den neuen Bundestrainer schon vor der WM zu präsentieren", sagte Harnos. Reindl indes favorisiert eine schnelle Entscheidung, "damit bei der WM Ruhe ist und der Sport im Vordergrund steht." 

Am Wochenende rückte der Sport angesichts der Spekulationen um Krupp in den Hintergrund. Stark ersatzgeschwächt belegte die DEB-Auswahl nach zwei Niederlagen den letzten Platz. Krupp war dennoch zufrieden. "Insgesamt war es eine gute Erfahrung für unser junges Team, das hier gesehen hat, wie eng es auf diesem hohen internationalen Niveau zugeht", bilanzierte der Bundestrainer nach dem 1:4 gegen Gastgeber Slowakei und dem 2:4 gegen Weißrussland.