Mönchengladbach (SID) - Der Himmel war grau, als Lucien Favre am Dienstag bei seinem schwer angeschlagenen neuen Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach die Schaufel in die Hand nahm. Ab 10.00 Uhr verschaffte sich der neue Trainer des fünfmaligen deutschen Meisters in zwei Tages-Einheiten einen Eindruck vom schlechtesten Kader in der Bundesliga - und davon, ob man in den letzten zwölf Saisonspielen überhaupt noch ein Wunder schaffen kann. Der war nach Meinung des Nachfolgers des am Sonntag entlassenen Michael Frontzeck "sehr gut". Man habe "gut gearbeitet".

So weit, so gut. Favre ist kein Feuerwehrmann. Schon die Vertragsdauer bis zum 30. Juni 2013 und die Bereitschaft, den Traditionsklub in der 2. Liga neu aufzustellen, untermauert diese Tatsache. Der aus dem beschaulichen Schweizer Ort Saint-Barthelemy stammende Coach steht für kontinuierlichen Aufbau und Offensiv-Fußball. So führte er Hertha BSC Berlin 2009 fast zur deutschen Meisterschaft. Als dann aber der Absturz folgte, bekam Favre nicht mehr die Kurve.

"Chance" auf Rettung ist da

Spielerisches Material ist in Mönchengladbach vorhanden, denkt man vor allem an Youngster Marco Reus, Dante, Juan Arango, Igor de Camargo oder Patrick Herrmann. Doch das Rezept hat in dieser Saison nur selten gestimmt. "Du brauchst immer Eier, Zucker und Mehl - aber auf die richtige Mischung kommt es an", lautet die Formel Favres. Eine "Chance" räumte er seinem neuen Team trotz eines Rückstandes von sieben Punkten auf den Relegationsplatz aber ein.

In Berlin scheiterte Lucien Favre letztendlich daran, dass einerseits Leistungsträger wie Andrej Woronin und Josip Simunic abwanderten. Andererseits kam der Fußball-Fachmann nicht mit Querköpfen wie Marko Pantelic klar, dessen Qualitäten als Torjäger unbestritten waren. Allerdings war der Serbe vor allem ein Unternehmer in eigener Sache. Für Favre ein Unding. Gespannt darf man vor diesem Hintergrund sein, wie er mit den Disziplinlosigkeiten zum Beispiel eines de Camargo umgeht. Sieben Platzverweise haben die Borussia in der laufenden Saison so manchen wichtigen Punkt gekostet.

"Super-Hirnli"

Von den Fähigkeiten her bringt Lucien Favre auf jeden Fall alles mit. Nicht umsonst wird er in der Schweiz auch "Super-Hirnli" genannt. Als Profi war er von 1976 bis 1991 aktiv, fast nur in der Schweiz. Einzige Ausnahme war 1983/84 ein Gastspiel beim FC Toulouse. Favre spielte vor der Abwehr, in den 70er Jahren lernte er Mönchengladbachs Meistermacher Hennes Weisweiler kennen. Offenbar eine prägende Erfahrung. "Er hat mich als besten Spieler der Schweiz vorgeschlagen. Das hat mich stolz gemacht", sagte Favre.