Valencia (SID) - Es wird schon gewitzelt, ob Klaas-Jan Huntelaar vielleicht einen Zwillingsbruder hat. Denn der, der in der niederländischen Nationalmannschaft mit zehn Toren in den letzten fünf Spielen auf Rekordkurs steuert, muss doch ein anderer sein. Ein anderer als der, der beim Vizemeister Schalke 04 in der Bundesliga seit 821 Minuten auf einen Treffer wartet.

Lachen kann der 27-Jährige darüber nicht. Aber auch er fragt sich, warum in Oranje alles klappt, was in Königsblau derzeit nicht gelingen will. "In der Nationalmannschaft ist es einfacher. Da spielen wir seit vier Jahren zusammen, da weiß jeder, was er zu tun hat", sagte er nach dem 3:1 im Länderspiel gegen Österreich, als er zum sechsten Mal in Folge mindestens einmal getroffen hatte. Das war zuletzt vor 74 Jahren einem niederländischen Nationalspieler gelungen - Beb Bakhuys.

In der Bundesliga summiert sich indes seine torlose Zeit auf einen beträchtlichen Wert. Seit dem 2:2 am 13. November beim VfL Wolfsburg, als er mit der Hand nachhalf, hat der "Hunter", der Jäger, nicht mehr ins Schwarze getroffen. Dabei hatte der Schalker Rekordeinkauf mit sieben Toren in den ersten zehn Partien einen grandiosen Einstand in Deutschland gefeiert - und als einziger beim katastrophalen Saisonstart überzeugt.

Auf der Suche nach dem Tor-Instinkt

Doch seine Knipser-Qualitäten hat Huntelaar irgendwann eingebüßt. Schnelligkeit, Dribblings und Kombinationsspiel sind ohnehin nicht seine Stärken. Auch im Kopfballspiel hat er Schwächen. Nun hat der 14-Millionen-Mann auch noch verloren, was ihn auszeichnete - den Instinkt, immer an der richtigen Stelle zu sein und eiskalt den Ball zu versenken.

"In der Nationalmannschaft spielen wir Angriffsfußball. Bei Schalke bekomme ich nicht so viele Chancen", sagte er. Kritik an der Spielweise seines neuen Teams hatte der Welttorjäger von 2006 schon nach den ersten Partien beäußert - zu viele lange Bälle nach vorne, zu wenig verwertbare Zuspiele. Doch in den letzten Wochen wirkte Huntelaar oft wie ein Fremdkörper im Schalker Spiel.

Und plötzlich war er auch bei Trainer Felix Magath nicht mehr unumstritten. Beim 0:1 gegen 1899 Hoffenheim und beim 1:0 gegen den SC Freiburg musste der Torjäger a.D. schon zur Halbzeit raus. "Ich bin nicht frustriert", behauptete er, "natürlich wollte ich durchspielen, aber der Trainer hat gesagt, es ist besser so." Zu Saisonbeginn hatte er seine erstaunliche Trefferquote noch damit erklärt, dass er auf Schalke immer 90 Minuten spiele.