Leverkusen (SID) - Sichtlich genervt verließen Trainer Jupp Heynckes und seine Spieler nach der gut 90-minütigen Trainingseinheit von Bayer Leverkusen den Platz. Zahlreiche Kamerateams hatten sich wieder einmal postiert, doch das Objekt der Begierde war nicht zu sehen. Auch am Dienstag fehlte Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack beim Abschlusstraining vor dem Abflug zum Zwischenrunden-Hinspiel in der Europa League bei Metalist Charkow am Donnerstag (17.00 Uhr).

Der 34-Jährige weilte stattdessen in der medizinischen Abteilung, wo sein lädiertes linkes Knie behandelt wurde. Damit wird Ballack die strapaziöse Reise in die Ukraine erst gar nicht antreten. "Es macht keinen Sinn, einen angeschlagenen Spieler mitzunehmen. Er wird am Mittwoch und Donnerstag weiter physiotherapeutisch behandelt. Wann er ins Mannschaftstraining zurückkehrt, können wir momentan nicht sagen", sagte Bayer-Sprecher Dirk Mesch dem SID.

Die endgültige Entscheidung war nach einer Unterredung mit Bayer-Trainer Jupp Heynckes am Dienstag gefallen. Dabei mag Heynckes in diesen Tagen am liebsten gar nicht mehr reden. "Es gibt nichts zu sagen", äußerte sich "Don Jupp" angesichts der ständigen Schlagzeilen um den "Capitano" knapp. Trotz der guten sportlichen Situation mit dem zweiten Platz in der Liga und dem Überwintern im Europacup scheint die Personalie Ballack den Werksklub mehr und mehr zu belasten.

Heynckes hat seinen eigenen Kopf

Am Samstag hatte Heynckes den Superstar beim überzeugenden 3:0-Sieg in Frankfurt nicht eingesetzt. Der erfahrene Trainer bleibt seiner Linie auch bei großen Namen treu und setzt auf eine behutsame Integration der Spieler nach Verletzungen, was Ballack stört und womöglich auch beim Bayer-Konzern nicht überall gern gesehen wird. Schließlich hatte der Geldgeber den millionenschweren Deal im Sommer erst möglich gemacht.

Bayer-Sportchef Rudi Völler war indes damit beschäftigt, die Wogen zu glätten. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es mit Balle funktioniert. Für unsere großen Ziele brauchen wir gerade einen guten, fitten Michael Ballack", sagte der Weltmeister von 1990 der Bild-Zeitung. Wichtig sei, dass die Mannschaft funktioniert, auch wenn das für betroffene Spieler schwer zu verstehen sei.

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