Köln (SID) - Die nach den Fehlentscheidungen bei der WM 2010 in Südafrika erneut entfachte Debatte um die Einführung der Torlinien-Technologie im Fußball geht in die nächste Runde. Das für Regeländerungen zuständige International Football Association Board (IFAB) wird sich am 5. März bei der 125. Jahresversammlung im Celtic Manor in Newport (Wales) mit dem Thema befassen.

Dem IFAB wird nach einer unabhängig überwachten Testphase von zehn Unternehmen und ihren entsprechenden Technologiesystemen ein Bericht vorgelegt. Die Tests werden im Zeitraum vom 7. bis zum 13. Februar durch das in Zürich ansässige Forschungs-Unternehmen EMPA durchgeführt.

Auf einige konkrete Anforderungen an das System hatten sich die Regelhüter bereits im vergangenen Oktober geeinigt. Die Technik habe präzise zu sein, sich ausschließlich auf die Torlinie zu konzentrieren und nur darüber zu entscheiden, ob ein Tor erzielt wurde oder nicht. Die Entscheidung über die Situation müsse innerhalb einer Sekunde gefällt werden und dürfe ausschließlich an die Schiedsrichter übertragen werden.

Blatter gegen zu viel Technik

FIFA-Präsident Sepp Blatter ist ausgewiesener Gegner von technischen Hilfsmitteln im Fußball. "Ich habe immer gesagt, wenn wir ein exaktes und einfaches System haben, dann führen wir es ein. Aber bislang waren die vorgestellten Systeme weder exakt noch einfach", sagte Blatter. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Torkamera eingeführt würde, sei weiter äußerst gering, hatte der Schweizer zuletzt erklärt.

Das IFAB, das traditionell aus jeweils einem Vertreter der britischen Verbände (England, Schottland, Wales und Nordirland) sowie vier Vertretern der FIFA besteht, hatte sich bereits bei seiner Tagung im März 2010 mit den neuesten technischen Möglichkeiten beschäftigt. Dazu zählten ein Chip im Ball, der signalisiert, wenn der Ball die Torlinie überquert und eine Torkamera, die Aufschluss über die genaue Lage des Balles geben sollte. Beide Lösungen wurden mit großer Mehrheit verworfen.

Vor allem das Achtelfinale bei der WM-Endrunde in Südafrika zwischen Deutschland und England (4:1) hatte die Diskussionen über eine Torlinien-Technologie aber wieder forciert. Der Schiedsrichter erkannte damals ein klares Tor von Fank Lampard zum vermeintlichen 2:2 nicht an.