ZWIESEL (SID) -

Es war ihre große Chance, doch nach 18 Sekunden lag Maria Riesch plötzlich hilflos im Schnee. Ausgerechnet beim letzten Slalom vor den Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen, ausgerechnet vor "ihrem" höchst erwartungsfrohen Publikum am Großen Arber bei Zwiesel und ausgerechnet in Abwesenheit von Dauerrivalin Lindsey Vonn schied die Doppel-Olympiasiegerin aus. "Das war mal wieder eine kleine Niederlage. Aber ich lasse mich durch so einen kleinen Rückschlag jetzt nicht aus der Ruhe bringen", sagte Maria Riesch mit Bestimmtheit nach dem Sturz im ersten Lauf.

Ärgerlich war der Ausfall trotzdem, vor allem, weil Lindsey Vonn nach einem schweren Trainingssturz am Mittwoch im österreichischen Hinterreit unmittelbar vor Beginn des Rennens auf einen Start verzichtete. Gerade im Slalom, in dem ihre Konkurrentin zuletzt viermal nacheinander ausgeschieden war, hat Maria Riesch im Kampf um den Gesamtweltcup Vorteile - so aber vergab sie bei einer Führung von 145 Punkten einen "Elfmeter", um den Vorsprung weiter auszubauen. Doch die 26 Jahre alte Partenkirchnerin demonstrierte Gelassenheit: "Ich habe schon oft bewiesen, dass ich nach Rückschlägen umso stärker zurückkomme."

Für Marlies Schild hätte die WM-Generalprobe vor immerhin 8000 Zuschauern nicht besser laufen können. Die Österreicherin gewann im siebten Slalom des Winters zum fünften Mal. Schild siegte vor Veronika Zuzulova aus der Slowakei (0,68 Sekunden zurück) und Tanja Poutiainen aus Finnland (1,78) und übernahm damit von Maria Riesch Platz eins im Slalom-Weltcup. "Ich bin sehr glücklich", sagte sie, "so ein Ergebnis vor den Weltmeisterschaften tut sehr gut." Mit den technisch anspruchsvollen Kurs und den schwierigen Bedingungen am windumtosten Großen Arber kam sie im zweiten Lauf am besten zurecht.

Ergebnis für Maier "indiskutabel"

Für die deutschen Läuferinnen war das Rennen nicht nur wegen des Ausfalls von Maria Riesch ein Flop. "Indiskutabel", nannte Alpin-Direktor Wolfgang Maier das Resultat. Von den zehn deutschen Starterinnen kamen zunächst nur vier in den Finallauf und dort nach dem Ausfall von Susanne Riesch und Fanny Chmelar auch nur zwei in die Wertung: Katharina Dürr belegte Rang zehn, Nina Perner Rang 14. Letztere war dennoch glücklich, denn die Karlsruherin erfüllte bei ihrer letzten Chance noch die WM-Norm. "Das kann ich gar nicht glauben, das ist unfassbar. Mit der Quali habe ich überhaupt nicht mehr gerechnet", sagte sie.

Neben der als Titelverteidigerin automatisch qualifizierten Maria Riesch dürfen bei der WM im Slalom vier weitere DSV-Läuferinnen starten - sechs aber stünden dafür bereit: Perner, Susanne Riesch, Katharina Dürr, Christina Geiger, Fanny Chmelar und Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl, die auf einen Start am Großen Arber wegen anhaltender Rückenprobleme verzichtete. Zwei der sechs werden trotz erfüllter Norm zuschauen müssen, Hölzl verzichtet womöglich sogar freiwillig, Alpin-Direktor Maier aber schimpfte am Großen Arber erst mal: "In so einer Verfassung brauchen wir gar nicht antreten."