Karlsruhe (SID) - Ein gescheiterter Drittliga-Trainer soll den Karlsruher SC vor dem Absturz bewahren. Der Ende Dezember beim VfR Aalen gefeuerte Rainer Scharinger hat beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten die Nachfolge des entlassenen Trainers Uwe Rapolder angetreten. Der Ex-Profi des KSC, der auch noch gebürtiger Karlsruher ist, unterschrieb beim Tabellen-Drittletzten einen von der Ligazugehörigkeit unabhängigen Vertrag bis zum 30. Juni 2012.

"Ich bin heiß und voller Elan. Der KSC ist mein Heimatverein. Hier Trainer sein zu dürfen, ist eine besondere Ehre für mich. Aber es ist mir auch klar, dass es eine Herkules-Aufgabe wird. Wir müssen alle Kräfte bündeln", sagte Scharinger, der von Juli 2006 bis Mai 2009 als Assistent des damaligen Trainers Ralf Rangnick beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim arbeitete, zwei Tage vor seinem 44. Geburtstag.

Scharinger kennt den Druck

Scharinger sieht sich dem Druck im Abstiegskampf gewachsen. "Ich war als Fußballer selbst in dieser Situation und weiß, was in den Köpfen der Jungs los ist. Uns stehen zehn Hammerspiele bevor. Die soziale Kompetenz spielt dabei auch eine wichtige Rolle. Ich werde versuchen, die Jungs so hinzubiegen, dass sie dem Druck standhalten", sagte Scharinger, der am Mittwoch um 14.30 Uhr zum ersten Mal das Training leitete und der am Samstag (13.00 Uhr/Sky und Liga total!) beim Aufstiegsanwärter VfL Bochum erstmals an der Seitenlinie stehen wird.

Neben Scharinger waren die früheren KSC-Trainer Winfried Schäfer und Edmund Becker als mögliche Nachfolger Rapolders gehandelt worden. Die Klubführung entschied sich nach Angaben von Präsident Ingo Wellenreuther aber einstimmig für Scharinger. "Wir sind der Auffassung, dass er der richtige Mann ist, um den Erfolg zurückzubringen und die Liga zu erhalten", sagte der Klubchef: "Er hat eine große Identifikation mit dem Verein und ist motiviert. Er ist jung, hat aber dennoch ausreichend Erfahrung. Er ist uns finanziell entgegengekommen und wird ein Konzept verfolgen, das zu einer intensiveren Bindung zur Mannschaft führen wird."

Konsequenzen der "Stinkefinger-Affäre"

Am Dienstag hatten die Karlsruher Verantwortlichen die Konsequenzen aus der "Stinkefinger-Affäre" um Rapolder gezogen und den Coach nur 99 Tage nach seiner Verpflichtung entlassen. Rapolder soll während der 1:4-Niederlage im Kellerduell gegen den FC Ingolstadt am vergangenen Sonntag den eigenen Fans nach einer knappen Stunde Spielzeit den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt haben. Zuvor war der 52-Jährige offenbar übel beschimpft worden.