Köln (SID) - Der ehemalige Kieler Handball-Manager Uwe Schwenker hat eine Woche vor dem Beginn seines Prozesses wegen angeblicher Schiedsrichter-Bestechung dem Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen Erpressung vorgeworfen. In einem Schreiben seiner Anwälte, das der Sport Bild und der Financial Times Deutschland vorliegt, beschuldigen Schwenkers Anwälte die Löwen-Verantwortlichen, sie hätten mit Hilfe des Wissens über mutmaßliche Schiedsrichterbestechungen durch Schwenker in der Champions League Verhandlungen mit dem THW Kiel über Ablösesummen bei Spielertransfers beeinflussen wollen.

Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm reagierte auf die Vorwürfe überrascht. "Ich weiß von nichts. Es überrascht mich, dass eine Wochen vor Prozessauftakt auf einmal solche Anschuldigungen in der Luft liegen", sagte Storm dem SID.

Schwenkers Anwälte werfen der Führung der Rhein-Neckar Löwen angeblich vor, dass diese in Verhandlungen um die Spieler Nikola Karabatic und Vid Kavticnik versucht hätten, mit den Bestechungsvorwürfen die Ablösesumme für beide Spieler von ursprünglich geforderten drei auf 1,3 Millionen Euro zu drücken. Die Vorwürfe sollen sich gegen Storm und den Aufsichtsratsvorsitzenden der Löwen, Jesper Nielsen, richten.

"Es gab ein Treffen mit den Verantwortlichen des THW Kiel, in dem die Kieler die Forderung von drei Millionen Euro äußerten. Wir haben dann ein Gegenangebot von 1,3 Millionen Euro gemacht. Das ist bekannt und liegt auch schriftlich vor", sagte Storm. Zu weiteren Verhandlungen sei es nicht gekommen. Die Spielertransfers kamen nicht zustande.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft sollen Schwenker und der damalige Kieler Trainer Noka Serdarusic den Schiedsrichtern im Zuge des Champions-League-Finalrückspiels des THW Kiel gegen die SG Flensburg-Handewitt (29:27) im April 2007 einen höheren fünfstelligen Geldbetrag durch einen kroatischen Mittelsmann übergeben haben. Beide bestreiten dies. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf gemeinschaftlich begangene Bestechung im geschäftlichen Verkehr.