Chanty - Als der neue Weltmeister Tarjei Bö seine ganze Freude über Gold herausschrie, analysierte Michael Greis ein paar Meter weiter trocken seinen siebten Platz im Einzel über 20km bei der WM im russischen Chanty Mansijsk. "Ich habe gekämpft, aber es hat nicht zur erhofften Medaille gereicht", sagte der 34-Jährige, der wie Bö eine "Fahrkarte" schoss, aber 1:25,5 Minuten hinter dem 22 Jahre alten Norweger ins Ziel kam. Mit Silber versöhnte der fehlerfreie Maxim Maximow die russischen Fans mit der ersten Medaille für die Gastgeber, der Österreicher Christoph Sumann wurde Dritter.

"Die Mannschaftsleistung ist gut. Sehr gut wäre es, wenn wir eine Medaille machen. Im Einzel weiß man, dass man die Null bringen muss. Es waren ein paar Fehler zu viel dabei. Bei Arnd hätte einer weniger auch gereicht. Sie haben aber gekämpft und gezeigt, dass sie da sind", sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Zufrieden war letztlich auch Greis: "Alles in allem war es ein gutes Rennen. Ich habe versucht, nach hinten raus Druck zu machen. Gut war, dass ich Carl Johan Bergman als Anhaltspunkt vor mir hatte", sagte der Dreifach-Olympiasieger von Turin 2006: "Ich habe gehofft, dass es reicht, aber es waren ein paar andere schneller."

Bö gewinnt erstes Einzel-Gold

Sieger Bö, der die Führung im Gesamtweltcup weiter ausbaute, verfolgte die letzten fünf Schüsse des bis dahin führenden Sumann atemlos am Monitor. Erst der letzte Schuss des Österreichers verfehlte das Ziel und erlöste Bö. Der frischgebackene Weltmeister Bö hatte nach seinem ersten Einzel-Gold Freudentränen in den Augen: "Es ist sehr emotional für mich. Es ist mein erstes Gold, das ist ein Traum für mich."

Bereits mit dem verfehlten ersten Schuss gab Andreas Birnbacher die große Chance auf eine Medaille aus der Hand. Der Schlechinger lief danach ein starkes Rennen, traf 19-mal und und kam nur zwei Sekunden hinter Greis als Achter ins Ziel. "Die Schlussrunde war etwas schwächer, ich habe gemerkt, dass nicht mehr so viel drin ist. Ich habe mich nicht so spritzig gefühlt. Meine drei Rennen hier waren ordentlich, jetzt schauen wir mal, wie sich die Trainer für die Staffel entscheiden", sagte der 29-Jährige.

Auch Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer, der etwas Probleme mit der Lunge hat, war nach zwei fehlerfreien Anschlägen klar auf Medaillenkurs, ehe es ihn gleich dreimal erwischte. Mit 2:17,1 Minuten Rückstand auf Bö landete der Niedersachse auf Rang 15. "Ich habe mich im Laufen erstaunlich frisch gefühlt, insgesamt war es ein ordentliches Rennen", sagte Peiffer. Zwei Fehler waren auch für Daniel Böhm "einer zu viel". Bei seiner WM-Premiere musste sich der 24-Jährige mit Platz 29 zufrieden geben.