Rom (SID) - Italiens Anti-Doping-Chefankläger Ettore Torri will in den nächsten Tagen die Radprofis Damiano Cunego und Alessandro Ballan vorladen. Auch Lampre-Teamchef Giuseppe Saronni soll vor Italiens Olympia-Komitee CONI in Zusammenhang mit einem ausgedehnten Dopingskandal befragt werden, der derzeit die Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Mantua beschäftigt.

Torri überprüft derzeit die Vorwürfe der lombardischen Staatsanwälte gegen die beiden italienischen Radprofis und Saronni. Sollte es unbestreitbare Beweise geben, will der CONI-Chefankläger das Anti-Doping-Gericht dazu aufrufen, eine vorläufige Suspendierung der Fahrer zu beschließen. Das berichtet die italienische Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport. In diesem Fall würden dem Lampre-Team die Tore zum nächsten Giro d'Italia versperrt bleiben.

Ballan, der 2007 die Flandern-Rundfahrt gewann und 2008 Weltmeister wurde, wird eine Eigenbluttransfusion vor dem Giro d'Italia 2009 vorgeworfen, an dem der 31-Jährige jedoch nicht teilgenommen hatte. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht der Pferdetrainer und Apotheker Guido Nigrelli, der mit Lampre-Teamchef Saronni befreundet ist. Nigrelli wird vorgeworfen, seit mehr als zehn Jahren Dopingpräparate zu vertreiben. Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft basieren unter anderem auf Lauschangriffen und Videoaufnahmen.

CONI-Präsident Gianni Petrucci zeigte sich wegen der neuen Anti-Doping-Ermittlungen erschüttert. "Der italienische Radsport ist nicht mehr glaubwürdig. Der Radsport muss konkrete Initiativen ergreifen und endlich Schluss mit Dopingpraktiken machen", erklärte Petrucci.

Auch der Präsident des italienischen Radsportverbands, Renato Di Rocco, erklärte sich besorgt. "Dass das Lampre-Team in diesen Skandal verwickelt ist, ist für mich ein sehr harter Schlag. Saronni hat mir gesagt, dass er zum Rücktritt bereit ist, um dem Radsportverband keine Imageprobleme zu bereiten", so der 63-jährige Di Rocco.