Bitburg (SID) - Die Nationalspielerinnen schwitzten bei sommerlichen Temperaturen auf dem Trainingsplatz, die anstehenden Personal-Entscheidungen treiben Trainerin Silvia Neid den Schweiß auf die Stirn: Exakt sieben Wochen vor dem Auftaktspiel gegen Kanada am 26. Juni in Berlin hat die entscheidende Phase der WM-Vorbereitung für die deutschen Fußballerinnen begonnen. Und obwohl Neid bis Ende Mai ihren endgültigen WM-Kader benennen will, hatte die Trainerin zu Beginn des vierten Lehrgangs am Sonntag in Bitburg noch keine Streichliste im Kopf.

"Selbst im Vertrauen könnte ich ihnen keine nennen. Die Einstellung stimmt bei allen. Man kann jetzt schon sagen, dass es ganz schwer für uns im Trainer-Team wird, den 21er-Kader für die WM zu nominieren", sagte Neid vor dem Auftakt der 13 Trainingseinheiten in der Eifel dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Wir werden so viele Punkte wie möglich in diese Entscheidung einfließen lassen müssen. Man spürt einfach, dass sich alle voll reinhängen und jeder unbedingt bei der Heim-WM dabei sein will."

Das Engagement der Spielerinnen macht es der Trainerin nicht einfacher. Neid muss in der Woche nach dem Länderspiel am 21. Mai in Ingolstadt gegen Nordkorea fünf Spielerinnen aus dem derzeitigen Aufgebot des Titelverteidigers streichen. Grund zur Kritik an ihren Schützlingen gibt es seit dem Beginn der Vorbereitung am 11. April keine. "Die Spielerinnen ziehen alle voll mit. Sie zeigen eine durchweg professionelle Einstellung", sagte die frühere Nationalspielerin.

Lediglich das verletzungsbedingte WM-Aus der Frankfurterin Dzsenifer Marozsan hat die Vorbereitung ein wenig gestört. "Die Verletzung von Dzsenifer Marozsan war natürlich nicht vorgesehen. Es tut mir sehr leid für sie. Sie ist eine sehr talentierte Spielerin. Ich hoffe, der Heilungsprozess verläuft gut und dass sie bald wieder topfit sein wird. Ansonsten sind wir von größeren Verletzungen und sonstigen Problemen verschont geblieben", sagte Neid, die Marozsan durch Bundesliga-Torschützenkönigin Conny Pohlers ersetzt hatte.

Pohlers und Co. sind in Bitburg vor allem im Defensivverhalten gefordert. "Der Lehrgang steht unter der Überschrift 'Abwehrverhalten von A bis Z'. Hier werden wir stark im taktischen Bereich arbeiten. In allen Mannschaftsteilen. Verteidigen beginnt auch bei uns im Angriff", erklärte Neid, die bereits dem WM-Auftakt entgegenfiebert: "Natürlich ist die Vorfreude zu spüren. Die WM ist unser Thema. Deswegen betreibt hier jede Spielerin diesen Aufwand. Die WM ist total präsent."

Trotz der Konzentration auf die Endrunde haben die Pausen zwischen den Lehrgängen ihren Zweck bisher erfüllt und einen möglichen Lagerkoller verhindert. "Die Spielerinnen sind absolut fokussiert, total bei der Sache. Man merkt, welche Bedeutung die Spielerinnen dieser Vorbereitung beimessen", sagte Neid: "Und ich denke auch, dass nicht nur den Spielerinnen, sondern auch jedem Mitglied unseres Betreuerstabs die Pausen zwischen den Lehrgängen gut tun."