Istanbul (SID) - Nach der erneuten Fahrt wie von einem anderen Stern schwang sich Sebastian Vettel im Tanzschritt auf das Siegerpodest, übergoss seine "Kinky Kylie" übermütig mit Champagner und forderte alle Mütter dieser Welt zum Feiern auf: Selbst mit einem runderneuerten "Unfallwagen" feierte der Formel-1-Weltmeister beim Großen Preis der Türkei in Istanbul in überlegener Manier seinen dritten Saisonsieg im vierten Rennen.

Damit machte der Red-Bull-Pilot den Trainingsunfall zwei Tage zuvor sowie den Taktikfehler von Shanghai vergessen und hat in der WM-Wertung mit 93 von 100 möglichen Punkten schon stolze 34 Zähler Vorsprung auf den diesmal viertplatzierten Shanghai-Sieger Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes. In der Türkei dominierte der 23-jährige Hesse die Konkurrenz trotz des Totalschadens am Freitag nach Belieben und ließ nie den geringsten Zweifel an seinem Erfolg aufkommen.

"Ich freue mich, dass ich die Gelegenheit habe, meine Mutter zu grüßen, meine Großmutter und alle Mütter dieser Welt", sagte Vettel nach seinem Erfolg am Muttertag: "Wer will, kann gerne auf uns anstoßen." Mit dem Rennen war der Titelverteidiger natürlich hochzufrieden: "Ich bin überglücklich. Heute hat von vorne bis hinten alles gepasst. Es hätte nicht viel besser laufen können. Ich freue mich, das war die richtige Antwort nach dem verpatzten Freitag."

Der gute Start habe ihm "das Leben deutlich leichter gemacht. So konnten wir sehen, welche Strategie die anderen wählen und darauf reagieren", sagte Vettel. Gleichzeitig entschuldigte und bedankte sich Vettel noch einmal bei den Mechanikern, die das zerstörte Auto in einer Nachtschicht wieder hergerichtet hatten. Zum Titel sei es aber noch "ein langer Weg".

Platz zwei sicherte sich beim ersten Red-Bull-Doppelsieg 2011 Vettels Teamkollege Mark Webber vor Vize-Weltmeister Fernando Alonso, der im Ferrari sein bestes Saisonergebnis einfuhr. In der WM-Wertung ist Webber mit 55 Punkten nun Dritter vor Ex-Weltmeister Jenson Button (46), der im McLaren nur Sechster wurde, und Alonso (41).

Der von Platz drei gestartete Nico Rosberg musste sich im Mercedes mit Rang fünf begnügen. Sein Teamkollege Michael Schumacher wurde nach einem frühen Unfall mit Witali Petrow und zwei weiteren glimpflichen Kollisionen nur Zwölfter und blieb ohne Punkte. Die Schuld für den Crash übernahm der Rekord-Weltmeister selbst. "Den muss ich auf meine Kappe nehmen", sagte er: "Damit war eine gute Platzierung eigentlich erledigt." Mercedes-Sportchef Norbert Haug meinte, da sei "der Vollblut-Racer mit ihm durchgegangen. Michael wollte sich verteidigen."

Nick Heidfeld belegte im Renault Rang sieben und war nach einer leichten Kollision anschließend sauer auf Teamkollege Witali Petrow: "Ohne das ganze Theater wäre ein Platz mehr drin gewesen." Adrian Sutil wurde im Force India 13. Derweil geht die Pechsträhne von Timo Glock weiter. Der Virgin-Pilot musste wegen eines Getriebeschadens kurzfristig auf den Start verzichten, nachdem er bereits am Samstag eine "hohe Alarmstufe im Team" konstatiert hatte.