Bochum (SID) - Zwei Siege, fünf Tore, kein Gegentreffer: Frankreichs Champions-League-Siegerinnen machen Titelverteidiger Deutschland mit sehenswertem Kombinationsfußball Platz eins in der Vorrunde der Frauen-WM streitig. "Jetzt müssen wir uns für die Begegnung gegen Deutschland erholen. Wir müssen unser Bestes geben, um ein richtiger Gegner zu sein", sagte Doppel-Torschützin Gaetane Thiney nach dem 4:0 (1:0)-Erfolg der Equipe Tricolore in Bochum gegen Kanada und dem damit verbundenen erstmaligen Einzug in ein WM-Viertelfinale.

Das Team um die herausragende Spielmacherin Louisa Necib vom Europapokalgewinner Olympique Lyon verzückte beim zweiten Sieg nicht nur den eigenen Trainer. "Kanada hat normal gegen uns eine Chance. Aber wir haben sehr gut gespielt. Wir haben die Bälle erobert und das wichtige erste Tor gemacht", sagte Coach Bruno Bini, der für den Abend eine Siegesfeier beim französischen Verband ankündigte. Ab Freitag richtet sich dann die Konzentration auf das entscheidende Spiel um den Gruppensieg am kommenden Dienstag (20.45 Uhr) in Mönchengladbach gegen die deutsche Nationalmannschaft, die ebenfalls zwei Siege auf dem Konto hat. "Das wird eine große Freude", meinte Thiney.

Angetrieben von Necib und fünf weiteren Lyon-Spielerinnen, die vor fünf Wochen mit einem 2:0 im Champions-League-Finale Turbine Potsdam von Europas Thron gestoßen hatten, boten die "Blauen" technisch anspruchsvollen Fußball. Die ersten beiden Tore erzielte allerdings Thiney vom Pariser Vorortklub Juvisy FCF. Zunächst traf die 25-Jährige aus stark abseitsverdächtiger Position per Kopf (24.), dann mit einem 20-m-Schuss, der vom Innenpfosten ins Netz sprang (60.). "Die Tore sind nicht wichtig. Es zählt nur das Resultat", sagte Thiney und fügte an: "Vor ein paar Wochen hat mit uns keiner gerechnet."

Für die Entscheidung gegen Kanada vor 16.591 Zuschauern sorgte Camille Abily von Olympique Lyon mit einem Kopfballtor (66.). Den Endstand stellte ihre eingewechselte Vereinskollegin Elodie Thomis in der 83. Minute her. Während das Team von Trainer Bini die erste WM-Viertelfinalteilnahme so gut wie sicher hat, droht Kanada nach der zweiten Niederlage das Aus.

Die Französinnen bemühten sich schon in der zerfahrenen Anfangsphase um spielerische Linie. Vor allem Necib, die Filigrantechnikerin im Mittelfeld, setzte ihre Teamkolleginnen mit klugen Pässen ein. So auch in der siebten Minute, als die 24-Jährige Marie-Laure Delie steil schickte, die allerdings an Kanadas Torfrau Erin McLeod scheiterte.

Auch am Führungstor war Necib, die wegen ihrer technischen Fähigkeiten immer wieder mit Zinedine Zidane verglichen wird, beteiligt. Ihr Querpass im Strafraum auf Elise Bussaglia führte zum Pressschlag, der den Ball zu Thiney brachte.

Mit zunehmender Spielzeit wurde Necib immer stärker. Mit einem Heber zwang sie McLeod zu einer Glanzparade (31.), nach ihrer Flanke köpfte Delie knapp über das Tor (32.). Die Stürmerin scheiterte kurz nach der Pause an McLeod (53.). Kanadas Torfrau hatte dann aber bei Thineys Distanzschuss keine Chance.