Vorweg etwas Positives: Der Sportausschuss ist seit 2005 der einzige Ausschuss des Parlaments, der stets öffentlich tagt. Seine Arbeit ist prüfbar und, in Maßen, transparent. Angesichts zunehmender Probleme im Sport, etwa Doping und Korruption, hat er viel zu tun. Regelmäßig finden Expertenanhörungen statt, zuletzt im März eine Runde zum Gendoping und im Mai zum Doping im Freizeit- und Breitensport. Die Protokolle sind erhellend. Wegen der Ausführungen der Spezialisten – und weil sich der Wähler ein Bild machen kann von der Arbeit seines Abgeordneten.


Der Vorsitzende Peter Danckert (SPD) und die SPD-Sportsprecherin Dagmar Freitag fordern oft harte Sanktionsmöglichkeiten. Doch wenn es ernst wurde, fallen sie um. Die Debatte über ein Antidoping-Gesetz dominierte die ersten zwei Jahre der abgelaufenen Legislaturperiode. Im Sportausschuss waren CDU/CSU, FDP und Linke stets dagegen.

Alleine die Grünen wollten eine Gesetzesverschärfung, die weit über eine Novelle des Arzneimittelgesetzes hinaus ging und auch einen Straftatbestand Sportbetrug enthielt. Sie unterlagen. Auch als sie im Herbst 2008 verlangten, die staatliche Förderung für den stark belasteten Bund Deutscher Radfahrer (BDR) zu stoppen.


Das Grundproblem des Sportausschusses: Seine sechzehn Mitglieder betrachten sich nicht als Kontrolleure, sondern als Freunde, Förderer und Partner des Sports. Zur 40-Jahr-Feier des Ausschusses Anfang Juli benutzten fast alle die Vokabel "Sportfamilie". Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte, Sportpolitik sei "ein Stück weit Kameradschaft" und attestierte dem Ausschuss eine "Begrenztheit in der politischen Auseinandersetzung".

Klaus Riegert (CDU) und Detlef Parr (FDP) sprachen von der "Sportfraktion im Bundestag". Parr hält in Nibelungentreue zu seinem FDP-Parteikollegen Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Es kann nicht sein, dass wir grundsätzlich in Skepsis verfallen gegenüber den Sportorganisationen", sagt Parr.


Deutschlands Sport wird von zwei Großen Koalitionen dominiert: Von einer Allianz aus CDU/CSU und SPD im Bundestags-Sportausschuss und von einer gelb-grünen Allianz im DOSB zwischen Bach und dem Generaldirektor Michael Vesper (Die Grünen). Oppositionelle stören, man predigt den Einheitsgedanken. Für Bach ist es eine der größten Errungenschaften des 2006 gegründeten DOSB, das der Sport endlich "mit einer Stimme" spreche.