Die ganz große Party mussten Timo Boll, Dimitri Ovtcharov und Christian Süß verschieben. Die alten und neuen Tischtennis-Europameister blieben nach ihrem 3:2-Triumph gegen Dänemark im Stuttgarter EM-Finale ziemlich nüchtern. "Schön wäre es, wenn ich möglichst schnell einschlafen kann", sagte der Weltranglisten-Dritte Boll. Für den neunmaligen Europameister, der sein Match gegen Michael Maze 1:3 verlor, geht die Titeljagd an diesem Donnerstag mit den ersten Runden im Einzel und Doppel weiter. Da will er ausgeschlafen sein.

Die Zuschauer reagierten wesentlich ausgelassener als die Spieler auf den Finalsieg. Die 6000 begeisterten Fans sangen "Oh, wie ist das schön." Während des Spiels trieben die Fans mit "Deutschland, Deutschland"-Rufen die DTTB-Herren zum dritten EM-Titel nach 2007 und 2008 an. "Ihr habt uns nach vorne gepusht. Das war ein wichtiger Faktor", bedankte sich Bundestrainer Richard Prause für die lautstarke Unterstützung von den Rängen der Porsche-Arena.

Die war nötig, denn Außenseiter Dänemark erwies sich dank des überragenden Michael Maze als harter Brocken. Der frühere Düsseldorfer schlug Süß und Boll, gegen den er zuvor noch nie bei einem internationalen Wettkampf gewonnen hatte. "Das war für mich ein kleiner Denkzettel", sagte Boll, der seinem Gegner eine Weltklasse-Leistung bescheinigte. Christian Süß ergänzte: "Er hat uns das Leben schwer gemacht."

Wie vor einem Jahr in St. Petersburg, als Boll ebenfalls im Team-Finale ein Einzel verlor, setzten sich die deutschen Herren als bessere Mannschaft durch. Jeder der drei Spieler steuerte einen Punkt bei, wobei der Sieg von Süß im letzten Einzel besonders gefeiert wurde. Er besiegte Finn Tugwell 3:0. Auch Ovtcharov spielte gegen Dänemarks Nummer drei Martin Monrad überragend. "Besser geht es nicht", sagte Trainer Prause, der während des Turniers am Trio festhielt, das in Peking die olympische Silbermedaille gewonnen hatte. "Das ist schon eine besondere Situation, im eigenen Land den Titel zu gewinnen. Ich war schon nervös", erklärte Matchwinner Süß.