Der Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb betrifft auch den Sport. Hoffnung vermittelt er keine, es ist ein "Weiter so!" Die Politik scheint noch nicht begriffen zu haben, in welch bedenkliche Situation der Sport gebracht worden ist.

Der Vertrag betont die "Autonomie" des Sports, ein Wort, hinter dem sich viel Unheil verbirgt. Denn es besagt, dass die Sportverbände alleine für Strafen und Ermittlung zuständig sind. Aber alleine schafft es der Sport nicht, sein größtes Übel zu bekämpfen: Doping. Vielleicht will er es auch nicht.

Warum also nicht den Sport dazu zwingen, sich helfen zu lassen? Etwa mit einem Anti-Doping-Gesetz, wie es die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) und der sportpolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann, fordern. Die neue Regierung will jedoch darauf verzichten. Wie die alte übrigens auch, die es auf einer wirkungsarmen Änderung des Arzneimittelgesetzes beruhen ließ.

Als Vorsitzender des Sportausschusses ist Eberhard Gienger (CDU) im Gespräch. Der ehemalige Turnweltmeister wäre keine gute Besetzung, zumindest wenn er seinen Kurs aufrechterhalten würde. Bislang ist er nicht durch kluge Gedanken zur Anti-Doping-Politik aufgefallen. Stattdessen steht er als Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes im Verdacht, bloß keinem wehzutun.

Doch um den sauberen Sport und saubere Sportler zu schützen, muss durchgegriffen werden. Staatsanwälte müssen aktiv, das Delikt Sportbetrug eingeführt werden, wie es Beate Merk vorschlägt. Ohne Verankerung im Strafrecht ist es zurzeit schwer, einen Doping-Sünder oder einen Hintermann des Betrugs zu überführen. Weil sie nie alleine agieren, sind selten alle Kriterien für Betrug erfüllt oder nachzuweisen, etwa Täuschung und Bereicherung.

Seit 2005, als der bislang letzte Koalitionsvertrag geschlossen wurde, ist einiges in Sportdeutschland passiert: Jan Ullrich, ehemaliger deutscher Radheld, ist 2006 und in der Folgezeit enttarnt worden. Die Reiternation Deutschland muss inzwischen fast mehr Goldmedaillen zurückgeben als sie behalten darf. Gegen die erfolgreichste deutsche Winterolympionikin Claudia Pechstein führt das Internationale Sportgericht einen Prozess.

Welche Signale braucht die deutsche Politik noch, um aufzuwachen? Das Argument, die anderen tun es doch auch, darf nicht gelten. Deutschland sollte Vorreiter sein. Auch wenn es ein paar Goldmedaillen kosten sollte – das muss ein liberaler Rechtsstaat aushalten. Sport ist mehr als Gewinnen um jeden Preis.