Vergangenen Dienstag hatte Hermann Maier nach einer ersten Abfahrt in Sölden noch verkündet: "Ich bin sehr positiv überrascht. Und das ist eigentlich das Beste, was man sagen kann." Zuvor hatte es vermehrt Diskussionen über die sportliche Zukunft des Ausnahmesportlers gegeben. Maier hatte sich vor einem halben Jahr einer Knieoperation unterziehen müssen und einen kleinen Unfall beim Mountainbiking erlitten. Nach dem Probelauf vorige Woche verkündet er, sein erstes Rennen Ende November zu fahren und auch Olympia in Angriff nehmen zu wollen.

Umso überraschender kommt nun die Meldung vom Rücktritt des Ausnahmesportlers. Sichtlich bewegt sagte der 36-Jährige in Wien: "Es ist mir sehr schwer gefallen und natürlich schwingt da eine große Wehmut in mir mit. Schließlich trenne ich mich jetzt von meinem Traumberuf und beende eine Karriere, wie ich sie mir als Bub nicht schöner hätte ausdenken können."

Der gelernte Maurer Hermann Maier kann auf eine sensationelle Karriere zurückblicken. Bei den Winterspielen 1998 in Nagano erlangte der "Herminator" weltweite Berühmtheit, als er nach einem schrecklich anmutenden Sturz in der Abfahrt noch Olympia-Gold im Super-G und im Riesenslalom gewann. Insgesamt holte er bei Winterspielen vier Medaillen. Mit 54 Weltcup-Siegen ist er hinter Schwedens Ski-Legende Ingemar Stenmark in dieser Kategorie der zweitbeste Skirennfahrer.

Maier selbst bezeichnete sein Comeback nach dem schweren Motorradunfall 2001 stets als größten Sieg seiner Karriere. Damals drohte ihm, seinen rechten Unterschenkel zu verlieren.

Als Begründung für seinen Rücktritt sagte Maier, es sei sein Ziel gewesen, "in einem guten Zustand entscheiden zu können, ob ich meine Karriere beende oder fortführe".