Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula ist für seine flammenden Reden bekannt. Am Freitagnachmittag richtete er in Kopenhagen einen emotionalen Appell an die IOC-Mitglieder. Diese, so hielt er den Delegierten entgegen, sollten endlich "den weißen Fleck auf der olympischen Karte" füllen und die Olympischen Sommerspiele im Jahr 2016 endlich nach Südamerika vergeben. "Es ist Brasiliens Zeit", sagte Lula. "Rio ist bereit. Gebt uns die Chance, und ihr werdet es nicht bereuen".

Für Lula ist es die letzte Chance, die rund 96 stimmberechtigten IOC-Mitglieder in Kopenhagen zu überzeugen. Diese werden bis um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit entscheiden, welche Stadt in sieben Jahren die Sommerspiele zugeschlagen bekommt: Madrid, Tokio, Chicago oder Rio. Dann wird IOC-Chef Jaques Rogge die Entscheidung verkünden.

Brasiliens Hauptstadt bewirbt sich bereits zum fünften Mal, bislang waren die Bewerbungen stets an den Sicherheitsbedenken der IOC-Prüfer gescheitert. In diesem Jahr hat sich die brasilianische Kommission auf die Kritikpunkte des Komitees besser vorbereitet. Man wolle das Sicherheitsproblem durch ein neues Polizeisystem angehen. Die notwendigen Investitionen hierfür in Höhe von 14 Milliarden Dollar seien bereits bereit gestellt.

Auch deshalb trat die brasilianische Delegation in diesem Jahr selbstbewusst auf. Rios Bewerbungschef, Carlos Nuzman, appellierte an die IOC-Mitglieder, die "Tür zu einem neuen Kontinent zu öffnen und die olympische Bewegung durch neue Energie nach vorne zu bringen". Und Rios Bürgermeister Eduardo Paes fügte an, Brasilien sei im Jahr 2016 die fünftstärkste Wirtschaftsmacht der Welt, die Stadt Rio werde für die "bemerkenswertesten Spiele der Geschichte" sorgen.

Tatsächlich wäre es das erste Mal, dass die Olympischen Spiele in Südamerika stattfänden. Auch Nuzman nutzte die Statistik, um seine Forderung zu unterstreichen: Bislang seien dreißig Sommer- und Winterspiele nach Europa vergeben worden, fünf nach Asien, zwei nach Ozeanien und zwölf nach Nordamerika, keine jedoch nach Südamerika.