Im sechsten Anlauf hat es endlich geklappt: Rio de Janeiro wird die Olympischen Sommerspiele 2016 austragen. Das gab IOC-Chef Jacques Rogge am Abend in Kopenhagen bekannt. Mit 66 Stimmen setzte sich die brasilianische Metropole im dritten und entscheidenden Wahlgang gegen Madrid mit 32 Stimmen durch. Zuvor waren bereits Chicago und Tokio ausgeschieden. Die Olympischen Spiele finden im August 2016 statt, zum ersten Mal in Südamerika.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva versprach, Rio werde die außergewöhnlichsten Olympischen Spiele ausrichten, die die Welt je gesehen hat. "Heute ist ein heiliger Tag für mich", sagte Lula. Die Welt habe die wirtschaftlichen und sozialen Erfolge des fünftgrößten Landes der Erde anerkannt. Er fühle nur Stolz und Freude und Dankbarkeit. "Rio hat gewonnen, weil es Herz und Seele hat und die Einwohner von Rio liebenswürdig und großzügig sind." Dies sei nicht nur ein Sieg für Brasilien, sondern ein Sieg für ganz Lateinamerika, sagte Lula.

In Chicago reagierten die Menschen mit ungläubigem Schweigen. Tausende hatten sich bereits seit dem Morgen auf dem Daley-Square in der Bewerberstadt eingefunden, um dort auf die Nachricht aus Kopenhagen zu warten und zu feiern. "Das ist unfassbar. Chicago wäre ideal gewesen", sagte A.D. Frazier, einer der leitenden Organisatoren der Olympischen Spiele in Atlanta 1996 dem Fernsehsender CNN.

Der Spitzenberater von US-Präsident Barack Obama, David Axelrod, zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Es wäre "großartig" gewesen, die Spiele in die USA zu holen, sagte Axelrod dem Fernsehsender MSNBC. Aber: "Das Leben geht weiter."

Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero sagte kurz nach der Entscheidung: "So ist Sport. Rio hatte eine tolle Kandidatur, Madrid auch, aber Rio hat gewonnen. Das tut sehr weh."

In Rio de Janeiro bejubelten zehntausende Menschen die Entscheidung. Seit dem Nachmittag hatten sie vor einer riesigen Bühne ausgeharrt. "Jetzt ist Rio dran" stand auf Schildern, die die Fans in die Kameras hielten. Für die Stadt am Zuckerhut ist die Entscheidung auch eine Bestätigung für die gewachsene Rolle Brasiliens, das 2014 bereits die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet.

Die brasilianische Stadt bewarb sich bereits zum fünften Mal als Ausrichtungsort für die Olympischen Spiele. Bislang waren die Bewerbungen stets an den Sicherheitsbedenken der IOC-Prüfer gescheitert. In diesem Jahr hatte sich die brasilianische Kommission auf die Kritikpunkte des Komitees besser vorbereitet. Man werde das Sicherheitsproblem durch ein neues Polizeisystem angehen, hieß es in der Bewerbung. Die notwendigen Investitionen hierfür in Höhe von 14 Milliarden Dollar seien bereits bereit gestellt.

Auch deshalb war die brasilianische Delegation in diesem Jahr selbstbewusster aufgetreten. Rios Bewerbungschef, Carlos Nuzman, hatte am Nachmittag an die IOC-Mitglieder appelliert, die "Tür zu einem neuen Kontinent zu öffnen und die olympische Bewegung durch neue Energie nach vorne zu bringen". Bislang fanden dreißig Sommer- und Winterspiele in Europa statt, fünf in Asien, zwei in Ozeanien und zwölf in Nordamerika.