Noch 628 Tage bis zur Entscheidung. München hat sich für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2018 beworben und die Bewerbungsgesellschaft zählt auf ihrer Internetseite den Countdown. Am Donnerstag endete die Abgabefrist des Internationalen Olympische Komitees (IOC), am 6. Juli 2011 wird im südafrikanischen Durban der Austragungsort der Olympischen Winterspiele und Paralympics 2018 bekannt gegeben.

Nachdem die chinesische Stadt Harbin von einer Bewerbung Abstand genommen hatte, wird der Wettstreit um die Olympischen Winterspiele zum Dreikampf. München will mithilfe seiner Dependancen Schönau am Königsee und Garmisch-Partenkirchen die erste Stadt der Welt sein, die sowohl Sommer- als auch Winterspiele ausgerichtet haben wird. Olympia würde nach München (1972), Berlin und Garmisch-Partenkirchen (je 1936) zum vierten Mal in Deutschland stattfinden. Berlin (2000), Leipzig (2012) scheiterten kläglich mit ihren Bewerbungen für die Sommerspiele, Berchtesgaden (1992) mit der für die Winterspiele, einem, gemessen an Sommerspielen, wesentlich unbedeutenderen Sportereignis.

Dem französischen Annecy, im Schatten des Mont Blanc nahe der Schweizer Grenze, werden nur Außenseiterchancen eingeräumt. Es hatte sich in Frankreich als Bewerberstadt gegen Nizza, Grenoble und Pelvoux durchgesetzt. Annecy hat 50.000 Einwohnern und wäre nach den "Stadt"-Spielen in Nagano, Salt Lake City, Turin und Vancouver der kleinste Austragungsort seit Lillehammer 1994.

Gegen den Badeort Sotschi, der mit den Milliarden der russischen Regierung und zahlungskräftigen Sponsoren im Jahr 2014 Winterspiele am Strand austragen wird, ist Münchens Konzept klein, bescheiden und konträr. Die bayrische Landeshauptstadt setzt auf ein nachhaltiges und ökologisches Konzept. Das ambitionierte Ziel: klima- und flächenneutrale Spiele. An allen drei Standorten sollen bestehende Sportanlagen genutzt werden, in München der Olympiapark von 1972, in Garmisch-Partenkirchen das Ski-Gebiet, in dem 2011 die Alpine Skiweltmeisterschaft stattfinden wird, in Schönau die Bob- und Rodelbahn.

Die olympischen Dörfer sollen 2018 mehr Strom durch Solarenergie produzieren, als sie selbst benötigen. Die 3000 bis 4000 Pkw der Olympia-Flotte werden mit Elektro-Antrieb fahren, und im Zuge des Baus von Anlagen oder Strecken ist nicht geplant, Waldflächen abzuholzen. Insgesamt achtzehn Punkte umfasst das Umwelt-Leitprojekt, das von der Deutschen Sporthochschule Köln und dem Öko-Institut aus Freiburg ausgearbeitet wurde. München, das Anti-Sotschi.