Die Williams-Schwestern tun es, Lance Armstrong tut es und Shaquille O’Neal auch. Sie twittern. Mithilfe des Mikro-Blog-Dienstes kommunizieren sie mit ihren Fans, schaffen so eine soziale Identität und eine noch größere Anhängerschaft. Amerikanischen Profiligen und Vereinen ist dies jedoch ein Dorn im Auge. Zumindest dann, wenn ihre Angestellten die Arbeitszeit zum twittern nutzen. Sie reagieren mit einem Twitter-Verbot. 

Im September untersagte die NFL (National Football League) ihren Spielern die Nutzung von Handys und Einträge bei sozialen Netzwerken 90 Minuten vor, während und kurz nach den Spielen. Vergangene Woche zogen die nordamerikanische Basketball-Profiliga (NBA) und nun auch die NHL (National Hockey League) nach. Zwar hat die Baseball-Liga (MLB) noch kein offizielles Twitter-Verbot verhängt, doch gilt dort schon seit Langem eine Regel, welche die Benutzung von elektronischen Kommunikationsmedien ab 30 Minuten vor Spielbeginn untersagt. 

Betroffen sind jedoch nicht nur Sportler. Auch Trainer und alle für die Spiele relevanten Personen, wie zum Beispiel Team-Ärzte, müssen sich an das Verbot halten. Die Profiligen fürchten die Veröffentlichung von Insider-Informationen. 

Bereits vor einem Monat mussten sich Serena und Venus Williams das Twittern vom Center Court verkneifen. Die Veranstalter der US-Open warnten die Tennisspieler unter anderem mit Schildern in Umkleidekabinen davor, Nachrichten über den 140-Zeichen-Webdienst zu versenden. Auch hier ging die Angst vor Korruption und Wettbetrug um. Es wurde befürchtet, dass die Athleten Informationen über ihr Match preisgeben könnten. Dies betraf zum Beispiel den Zustand des Platzes, das Wetter oder die eigene körperliche Verfassung. 

Der Tennisspieler Andy Roddick fand die Twitter-Warnungen lächerlich. "Natürlich respektiere ich die Regeln, aber man müsste schon ein ziemlicher Idiot sein, Insider-Informationen über einen Tweet zu versenden", sagte der Amerikaner. 

Andy Roddick hat recht. Normalerweise sollte jeder Profi-Sportler einschätzen können, welche Informationen er veröffentlichen kann und welche nicht. Das gebietet schon der normale Menschenverstand. Doch können Vereine und Ligen darauf alleine nicht bauen. Sie wollen die Kontrolle. Oder besser: Sie wollen die Kontrolle, die sie sich über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben, nicht verlieren. Bei Twitter greift kein Kontrollmechanismus. Der Sportler ist allein mit sich und seinen 140 Zeichen. 

Natürlich ist auch die Angst vor Spielmanipulationen und Wettbetrug nicht ganz unberechtigt. Es geht aber auch noch um einen anderen Punkt: Anstand. Ist es nicht eine Selbstverständlichkeit, sein Handy während des Aufwärmens, in der Halbzeit oder im Spiel-Nachgespräch mit dem Trainer ausgeschaltet zu lassen? Hat man als gut bezahlter Angestellter nicht die Verpflichtung, sich voll auf seine Aufgabe zu konzentrieren, ohne dabei ständig auf der Telefontastatur herumzutippen? Ich finde schon. 

Mag sein, dass Spieler wie der Basketballer Shaquille O’Neal mit ihren Tweets die Welt des Sports ein bisschen unterhaltsamer, ein bisschen bunter und cooler machen und somit nicht nur für sich, sondern auch den Sport werben. Doch können sie dies auch weiterhin. Nur eben nicht vom Spielfeldrand. 

Was meinen Sie: Ist es richtig, den Sportlern das Twittern während eines Spiels zu verbieten? Schreiben Sie Ihre Meinungen im Kommentarbereich auf und diskutieren Sie mit!