Es gab einmal eine Zeit, da debattierte das ganze Land über manipulierte Fußballspiele, über mafiöse Wettzirkel, Bestechungsgeld und auffällige Quoten. Ein problemorientierteres Bewusstsein war also durchaus vorhanden. Damals, im Jahr 2005, als kurz vor der märchenhaften WM der Fall Hoyzer den deutschen Fußball erschütterte.

Nun war der Fall Hoyzer schon damals eher ein Fall der drei Brüder Ante, Filip und Milan S., die sich den unbedarften Schiedsrichter Robert Hoyzer mit finanziellen und persönlichen Zuwendungen gefügig gemacht und durch dessen falsche Pfiffe reichlich Geld verdient hatten. Auch die Berliner Staatsanwaltschaft fand im Prozess offensichtlich Gefallen am Charme des neben Hoyzer hauptsächlich angeklagten Ante S. Seine millionenschweren Manipulationen werteten die Staatsanwälte in ihrem Plädoyer jedenfalls nicht als organisierte Kriminalität, sondern als "dreistes Bubenstück".

Nun ist der dreiste Bube wieder da. Vielleicht war er nie ganz weg, nicht mal, als er seine moderate Haftstrafe (zwei Jahre und elf Monate) absaß. Während des Berliner Prozesses hatte ihm ein Gutachter Spielsucht attestiert. Auch das half dabei, das Strafmaß ein wenig zu drücken. In seinem Schlusswort vor dem Berliner Landgericht sagte Ante S.: "Niemand kann sich vorstellen, was meine Mutter und ich in den letzten zehn Monaten durchgemacht haben. Diese zehn Monate sind der Grund, dass ich versuchen werde, nie wieder in eine solche Situation zu kommen."

Aber wie alle Suchterkrankungen lässt sich auch die pathologische Lust am Wett- und Glücksspiel nicht allein durch guten Willen kurieren. Es ist der Öffentlichkeit nicht bekannt, ob Ante S. sich einer Therapie unterzogen hat. Man hat ihn aber häufiger beim Fußball gesehen, und entsprechende Gerüchte machen schon länger die Runde. Es war wohl was dran an diesen Gerüchten.