Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein bleibt gesperrt: Der Internationale Sportgerichtshof (Cas) hat die vom Eisschnelllauf-Weltverband (ISU) verhängte Zwei-Jahres-Sperre offiziell bestätigt. Die Sperre läuft danach rückwirkend vom 8. Februar 2009 bis zum 7. Februar 2011. Damit droht Deutschlands erfolgreichster Winter-Olympionikin das Karriere-Aus.

Nach Auffassung des Cas weise Pechstein "verglichen mit der allgemeinen Bevölkerung in Europa und anderen Spitzenläufern, und auch im Vergleich mit ihren eigenen Werten abnormale Retikulozyten-Werte auf". 

Bei Doping-Tests während der Mehrkampf-WM in Hamar seien bei der 37-Jährigen Retikulozyten-Werte von 3,49, 3,54 und 3,38 Prozent gemessen worden. Der Grenzwert liegt bei 2,4. Am 8. Januar 2009 seien es nur 1,74 Prozent gewesen, am 18. Februar 1,37 Prozent. "Diese Abnormalität konnte nicht vernünftig durch die verschiedenen Rechtfertigungen der Athletin oder einen medizinischen Hintergrund ausgeräumt werden", heißt es in der Begründung weiter.

Der von der Athletin ausgewählte Hämatologe habe sie eingehend untersucht und geschlossen, dass es keine feststellbaren Anzeichen für eine Blutkrankheit oder Anomalie gebe. Gleichzeitig bestätigte der Cas, die Mess-Methoden der vom Weltverband ISU benutzten Geräte seien verlässlich.

Der Eisschnelllauf-Weltverband hatte die Berlinerin am 3. Juli wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt. Damit war Pechstein die erste Sportlerin, die aufgrund von indirekten und nicht eindeutigen Dopingnachweisen von den Wettbewerben ausgeschlossen wurde. Dagegen war Pechstein vor dem obersten Sportgerichtshof in Berufung gegangen. Aussagen von zwölf Zeugen und Experten sowie etliche Gutachten wurden während des Prozesses ausgewertet.

Dennoch konnte sich Pechstein, die jegliches Doping bestreitet, nicht durchsetzen. "Das zu akzeptieren, ist für mich unglaublich hart", sagte die Sportlerin in einer ersten Reaktion. "Nach dem wochenlangen, unwürdigen Hin und Her war das Urteil aber abzusehen. Ich bin nicht mehr über das Ergebnis geschockt, sehr wohl aber darüber, wie es zustande gekommen ist. Erst die ISU, jetzt der Cas. Ich habe lernen müssen, dass es ausgerechnet vor Sportgerichten offenbar keinen Platz für das im Sport so oft beschworene Fair Play gibt", erklärte Pechstein.

"Wie man mich ohne Beweis, aufgrund eines einzigen Indizes, das zudem in der Wissenschaft noch sehr umstritten ist, sperren kann, wird mir für immer unbegreiflich bleiben", fügte sie hinzu. Ihr Anwalt Simon Bergmann kündigte an, schnellstmöglich ein Verfahren vor dem Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne anzustrengen. Er sprach von eine "schwarzen Tag für die Sportrechtssprechung."