Kober berichtet, sie habe nach Turin vorgeschlagen, ihre Olympiamedaille nicht nur als Einzelperson sondern auch über den Verband zu vermarkten. "Leider ist nichts geschehen", sagt sie, "außer dass sich die Situation eigentlich noch verschlechtert hat." Inzwischen ist dem Verband auch noch ein Fahrzeugsponsor abhanden gekommen. Und am Trainingslager mussten sich die Fahrer mitbeteiligen, allerdings haben sich das die Aktiven selber ausgesucht. "Wir standen vor der Wahl, in Europa zu trainieren oder ein richtig gutes Trainingslager in Neuseeland zu machen", erzählt Amelie Kober. Bei ihr hat die Bundespolizei, ihr Arbeitgeber, diese Summe aufgebracht.

Mit ihrer Polizeiausbildung hat sich Amelie Kober nach anfänglichen Schwierigkeiten angefreundet. "Das hat sich im zweiten Jahr rapide verbessert", sagt sie. Im Sommer musste sie die schriftlichen und mündlichen Prüfungen zur Polizeimeisterin absolvieren, zwischendrin trainierte sie in Neuseeland. "Das war stressig", berichtet sie. Ihre Polizeischulklasse hatte gewettet, wer am schlechtesten abschneiden würde. Amelie Kober galt wegen ihrer Fehlzeiten als Favoritin. "Aber ich war es nicht", sagt sie, "da waren alle überrascht."

Man sollte sie eben nicht unterschätzen. Amelie Kober ist ehrgeizig und reifer, als es ihr junges Alter von 22 Jahren aussagt. Vor vier Jahren ist sie zu Hause ausgezogen, ihre Geschwindigkeits- und Abenteuerlust lebt sie beim Motorradfahren aus. Bungeespringen und Tandem- Fallschirmspringen hat sie auch schon durch. "Aber das sind beides Sachen, bei denen man die Verantwortung aus der Hand gibt, und das macht mir nicht so viel Spaß", sagt sie.

Sie mag die Dinge kontrollieren, deshalb ist sie auch eine untypische Vertreterin ihrer Sportart. Sie aber betrachtet diese mit anderen Augen als so mancher Freestyler, für den Skifahrer auf der Piste die natürlichen Feinde sind und Snowboarden ein Lebensgefühl ist. Amelie Kober sieht das anders. "Für mich beschränkt sich das Snowboarden auf meinen Beruf", sagt sie, "in der Freizeit gehe ich lieber Skifahren."

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel)