Der Volkswagenkonzern ist dabei, Toyota die Führung auf dem Weltmarkt streitig zu machen. Gerade hatte man sich an den VfL Wolfsburg als Spitzenmannschaft gewöhnen wollen, doch schon sind sie wieder, wie in den Jahren zuvor, in der tabellarischen Provinz liegen geblieben. Das 1:3 der Grün-Weißen in Stuttgart knüpft an die sportliche Rezession der Hinrunde an. Von dem, was der Club durch die Meisterschaft im vorigen Jahr gegenüber der Konkurrenz an Vorsprung erarbeitet oder an Rückstand aufgeholt hatte, ist schon viel verspielt.

Im  Sturm geistert der Torschützenkönig Grafite herum, Edin Dzeko ist auf  sich alleine gestellt, die Abwehr scheint mit verbundenen Augen zu spielen. Dem VfL dürfte es im Sommer nicht nochmals gelingen, seinen starken Kader zu halten.

Wie während seiner Zeit in Stuttgart schafft es Armin Veh nicht, in der Schwächephase entgegenzusteuern. Eigentlich ein Freund der  Spieler, vergriff er sich hilflos im Ton, wie am Wochenende  ("dilettantische Abwehrfehler") oder wählte die falschen Mittel: Im Dezember wechselte er zwei Spieler nach rund zwanzig Minuten demütigend aus, ohne eine Wirkung zu erzielen.

Veh ist ein Trainer alter Schule, was heutzutage keine Abwertung sein muss. Sein Vorgänger Felix Magath zählt man auch zu dieser Sorte, doch ist er zugleich ein besessener Fleißarbeiter, ein vom Ehrgeiz Getriebener. Veh, immerhin auch Meistertrainer, gilt als Mann der Intuition.

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Zudem wird er den Makel nicht mehr los, degradiert worden zu sein. Der  Machtmensch Dieter Hoeneß ist seit der Winterpause Geschäftsführer und ersetzt damit Veh partiell. Veh hatte diese Entscheidung, bevor sie getroffen wurde, als  Beschneidung vorwegnehmend gedeutet: "Dann hätte ich die Hosen unten." Jetzt hat er die Hose unten. Ob er sie alleine wieder hoch bekommt? Ob Hoeneß ihm dabei hilft? In Berlin hat Hoeneß nur loyale bis untergebene Trainer unter sich geduldet. Eine schwere Voraussetzung für Veh, aus der Defensive zu geraten.

Hoeneß' Verpflichtung erinnert an die Stefan Effenbergs vor sieben Jahren, als die Wolfsburger Auto- und Marketingleute zwanghaft bestrebt waren, von der Fußballbranche ernst genommen zu werden. Leidet der Deutsche Meister an Minderwertigkeitsgefühlen?

Sieht man von Magaths zweijähriger Volldampfepoche ab, geht und ging vom VfL nie eine sportliche Idee aus. Auch Hoeneß wird kaum neue Visionen entwickeln. Dem Verein fehlen Mut, Fantasie oder schlicht der Wille, im  reformträgen Fußballdeutschland eine neue Strategie umzusetzen. Dabei könnte man in Wolfsburg in Ruhe etwas aufbauen. Hat man je von Wolfsburger Ultra-Fans gehört, die den Vorstand zum Trainerwechsel drängen oder ihm ungeliebte Spieler ausreden wollen?

2009 war der richtige Moment, Meister zu werden: In dieser Saison zog der "Laborklub" Hoffenheim die alleinige Missgunst der Traditionalisten auf sich, Wolfsburg war ihnen das wesentlich kleinere Übel als der Dorfverein des Milliardärs Hopp. Als den Wolfsburgern im Mai die Schale präsentiert wurde, sagte VW-Vorstand Martin Winterkorn: "Deutscher Meister ist Volkswagen." Ob Unverblümtheit oder Selbstironie – Herzen erobert man damit keine.