Alle Witze über Curling sind ja schon gemacht. Dass es die typische Frauensportart ist, mit dem Schrubber in der Hand. Dass jetzt auch "Garage ausfegen" olympisch werden soll. Andrea Schöpp, der Skip, also der Kapitän der deutschen Curling-Nationalmannschaft, hatte schon gar keine Lust mehr auf Olympia, weil die anderen Sportler sie nicht richtig ernst nähmen.

Und doch soll die vermeintliche Lachnummer hier, in einem der Mutterländer dieses Sports (1807 gründeten zwanzig Kaufleute den Montreal Curling Club), der heißeste Tipp in Town sein. 5600 frenetische Zuschauer im alle Tage ausverkauften Olympic Center, so laut, dass die Spielerinnen die gerufenen Kommandos gar nicht mehr hören könnten und auf Handzeichen umstellen müssten! Sogar eine der jüngsten Episoden der Simpsons spielt beim Curling, nun kann am verdienten Weltruhm dieses traditionsreichen Sports kein Zweifel mehr bestehen.

Curling kann man jetzt also nur noch cool finden, und ich bin dazu wirklich wild entschlossen, als ich zum Vorrundenspiel der kanadischen Damen gegen Deutschland aufbreche, vorbei an hübschen Vorgärten, in denen schon die japanischen Kirschbäume blühen. Hier, in einer Gegend so aufregend wie eine Musterhaussiedlung der Landesbausparkasse, wohnen wahrscheinlich ein paar von den 1,3 Millionen registrierten kanadischen Curling-Spielern.

Aber so sehr ich mich auch einen ganzen Nachmittag lang bemühe: das Aufregendste bleibt die original schottische Dudelsackkapelle, hinter der die zweiunddreißig Damen um exakt 13.57 Uhr für die vier parallel ausgetragenen Partien einmarschieren.