Aufgrund eines deutschen Nachweisverfahrens konnte weltweit zum ersten Mal Doping mit dem Wachstumshormon Human Growth Hormon (HGH) nachgewiesen werden. Dem britischen Rugby-Profi Terry Newton von den Wakefield Trinity Wildcats war bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle Blut entnommen worden. Der Test brachte den eindeutigen Nachweis. Newton wird nun für zwei Jahre gesperrt.

"Es ist die erste komplette Analyse für HGH und damit ein positiver Schritt im Kampf gegen Doping", erklärte David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Eduardo de Rose, Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC sagte, der Nachweis habe eine "große Befriedigung" erzeugt. "Man hat nicht gedacht, dass man diese Substanz entdecken kann."

Am besten nachweisen lässt sich das Hormon, wenn die Doping-Fahnder die Athleten unangemeldet und während des Trainings kontrollieren. Der Grund: Die Halbwertzeit des Wachstumshormons im menschlichen Körper ist nur etwas länger als 24 Stunden, manchmal bis zu 36 Stunden, im Körper zu entdecken.

Analytiker gegen Athleten: Wie ein Biochemiker gegen Doping kämpft © Tobias Hase/dpa

Bereits vor den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen hatte ein deutsches Forscherteam den Test entwickelt. Allerdings dauerte es fast elf Jahre bis die Wada von der auf Bluttests basierenden Analyse überzeugt war. Entscheidend ist dabei nicht nur die wissenschaftliche, sondern auch die juristische Wertigkeit des Nachweises. Ist diese nicht erbracht, können Athleten, die fälschlicherweise verdächtig werden, Doping-Agentur und Herstellerfirma verklagen.

Nun jedoch ist den Fahndern "ein enormer Durchbruch" gelungen, sagte Andy Parkinson, der Leiter der britischen Anti-Doping-Agentur. "Damit wird eine starke Botschaft an Athleten gesendet, die den Missbrauch mit HGH riskieren wollen und nun ultimativ entdeckt werden können", jubelt auch Wada-Direktor Howman. Diese Botschaft gilt auch für die Teilnehmer der Olympischen Winterspiele in Vancouver, deren Doping-Proben für acht Jahre zu Nachtests eingefroren werden. "Der Wada-Code macht es möglich, nachträglich bis zu acht Jahre noch Verfahren gegen Athleten wegen Doping-Verstöße einzuleiten", sagte Howman.

Wie das Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mitteilte, sind außer Newton noch andere Sportler des Dopings mit dem Wachstumshormon HGH überführt worden. "Es gibt noch mehr Fälle als den Rugby-Spieler", sagte de Rose. Dabei handele es sich aber nicht um Wintersportler der Olympischen Spiele. Namen von Athleten wollte der Brasilianer indes nicht nennen.

Mit der Anwendung von HGH erhoffen sich Sportler Leistungsgewinne, wobei auf anabole Effekte des Hormons gesetzt wird. Fettdepots schmelzen ab, der Muskelaufbau wird gefördert. Mit HGH gedopte Athleten fühlten sich bislang relativ sicher, da in den vergangenen Jahren vor allem die Nachweisverfahren für Erythropoeitin (Epo) und Stereoiden verbessert worden sind.