In den olympischen Einzelrennen hatten sie keine Chance, im Duett nun holten sie völlig unverhofft Gold: Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad haben mit ihrem Sieg im Teamsprint den deutschen Langläuferinnen das erste Edelmetall der Vancouver-Spiele beschert. Silber ging an die Schwedinnen Charlotte Kalla und Anna Haag, die russischen Läuferinnen holten Bronze.

"Sensationell! Das war super. Ich bin sprachlos. Beide waren absolut am Limit und haben sich das verdient", sagte Bundestrainer Jochen Behle und lobte die gute Laufleistung des Langlauf-Teams, das in Vancouver zum dritten Mal bei Winter-Olympia dabei ist. Sowohl Sachenbacher-Stehle als auch Nystad ließen sich vom hohen Anfangstempo der Skandinavierinnen nicht beeindrucken und hielten stets mit. Sachenbacher-Stehle ging bei jeder Attacke von Kalla mit. Auf der Zielgeraden zog dann Nystad ihrer Kontrahentin Haag auf und davon.

"Es ist einfach nur geil", sprudelte es aus der 29-jährigen Bayerin Sachenbacher-Stehle heraus, die ihre drei Jahre ältere Partnerin beim Zieleinlauf innig umarmte und dabei ein paar Freudentränen verdrückte. "Es war ein perfektes Rennen. Wir haben perfekt harmoniert, dann kommt so etwas dabei heraus", stellte Nystad zufrieden fest. Dabei sei sie im Halbfinale "ganz schön blau gewesen".

Eine halbe Stunde später machten Axel Teichmann und Tim Tscharnke das deutsche Langlauf-Wunder perfekt: Sie gewannen Silber hinter den Norwegern. Bundestrainer Behle konnte nur noch staunen. "Es ist einfach ein sensationeller Tag. Was Tscharnke abgeliefert hat, war absolute Spitze. Auch Axel hat die richtige Taktik gewählt, um die Medaille zu sichern."

Auch das Männer-Duo selbst konnte sein Glück kaum fassen. "Bei Olympia auf dem Podest zu stehen, ist einfach sensationell und das auch noch gemeinsam mit dem Axel. Ich freue mich so für ihn. Er hatte ja sonst immer nur Pech", sagte der 20-jährige Tscharnke über seinen zehn Jahre älteren Partner Teichmann, der bei der dritten Olympia-Teilnahme die erste Medaille einheimste. Für den Bad Lobensteiner war Platz zwei der ersehnte Befreiungsschlag. Vor vier Jahren hatte er die Rennen in Turin wegen einer Haarwurzelentzündung verpasst, in Whistler konnte er wegen einer Erkältung über die 30 Kilometer nicht antreten.

Auch die deutschen Skispringer Michael Neumayer, Andreas Wank, Martin Schmitt und Michael Uhrmann gewannen unerwartet Silber im Mannschafts-Wettbewerb auf der Großschanze. Nur gegen die Österreicher hatten sie keine Chance. Der Topfavorit hat seit 2005 alle wichtigen Team-Wettbewerbe gewonnen. Mit dem zweiten Platz vor Norwegen war das DSV-Team jedoch überglücklich. "Das ist sicherlich der größte Erfolg, an dem das ganze Team beteiligt war. Ich bin stolz auf diese Mannschaft und freue mich, der Chef dieses Teams zu sein", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Vor allem für Schlussspringer Uhrmann wurde es ein Nervenspiel: Er musste ebenso wie der Norweger Anders Jacobsen und der Österreicher Gregor Schlierenzauer wegen zu starken Windes minutenlang warten, ehe er von der Schanze durfte. "Das war ein Supersprung. Ich wollte und habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen", sagte der Routinier aus Rastbüchl, nachdem seine Teamkollegen im Freudentaumel über ihn hergefallen waren. "Für mich war klar, die bekommen uns da vorne nicht mehr weg." Auch Neumayer war aus dem Häuschen: "Wir wollten unbedingt diese Medaille – und jetzt haben wir sie."

Mit dem Gewinn der drei Medaillen führt das deutsche Olympia-Team den Medaillenspiegel wieder an. Nach 52 von 86 Entscheidungen holten die Athleten siebenmal Gold, achtmal Silber und fünfmal Bronze und verwiesen die USA auf Rang Zwei (7/7/10).