Joannie Rochette

Joannie Rochette feiert ihre Bronzemedaille

Die kanadische Eiskunstläuferin lieferte die ergreifendste Geschichte dieser Spiele – und zugleich ein bleibendes Beispiel dafür, zu welcher Selbstbeherrschung und Willenskraft Weltklasseathleten fähig sind. Ihre Mutter war nach Vancouver gekommen, um sie anzufeuern, starb aber völlig überraschend nach einer Herzattacke, nur zwei Tage vor Beginn des Wettkampfs. Ganz Kanada weinte mit Rochette, und nicht nur ganz Kanada. Sie trat trotzdem an, und schon nach einem bravourös durchgestandenen Kurzprogramm war Taschentuchtime im Pacific Colosseum. Als sie dann am Donnerstagabend um 20.38 Uhr zur Kür das Eis betritt, zittern tausende Menschen mit dröhnendem Schweigen ihrem ersten Dreifachsprung entgegen. Als er gelingt, verwandelt sich Mitgefühl in Ekstase. Als Rochette 4 Minuten und 10 Sekunden später zum letzten Mal einen Arm grazil nach oben streckt, steht das Publikum auf den Stühlen.

Mit einer nahezu fehlerfreien Kür erstickt sie alle bösen Gedanken im Keim, ihre traurige Geschichte könnte ihr bei den Preisrichtern einen Vorteil bringen in einer Sportart, die ohnehin nah am Wasser gebaut ist. Allein für ihren Kampf gegen die Tränen auf dem Siegertreppchen verdient sie noch eine Höchstnote. Es dürfte die wertvollste Bronzemedaille dieser Spiele sein, denn dass Rochette eine Chance haben würde gegen Yu-Na Kim aus Südkorea, war nach deren traumwandlerischem Lauf zu Gershwins "Concerto in F" und einer Weltrekordwertung ohnehin ausgeschlossen. Das Publikum jubelte auch der Siegerin frenetisch zu, und das lag nicht nur daran, dass sie einen kanadischen Trainer hat und viele eingewanderte Südkoreaner dabei waren – es zeigte einfach nur noch einmal den Sportsgeist der Gastgeber. Dieser  Elfenwettstreit, eine der besten Damenkonkurrenzen aller Zeiten, hat auch ohne Trauerflor Geschichte geschrieben.