"Aber Philipp Lahm bin ja ich" – Seite 1

ZEIT ONLINE: Herr Lahm , wie viele Freunde haben Sie?

Philipp Lahm: So knapp über 5000, die Zahl wächst langsam, aber ständig. Ich bekomme auch Angebote, die Zahl schlagartig zu vervielfachen, das ist aber unseriös und es handelt sich dabei nicht um Freunde, sondern Scheinkontakte, die nicht wirklich aktiv sind.

ZEIT ONLINE: Richtige Freunde?

Lahm: Natürlich nicht, das sind eher Fans, die sich über mich auf Facebook informieren. Durch Facebook kann ich ihnen ständig Nachrichten zuschicken, egal wo sie sind. Das ist: superpraktisch.

ZEIT ONLINE: Sind denn zwischen den 5000 Fans auch ein paar Freunde im eigentlichen Sinne?

Lahm: Momentan ist beispielsweise ein Freund von mir in Florida und macht dort ein Praktikum. Wir kommunizieren über Skype und E-Mail. Das ist schon sehr praktisch. Wenn ich mit meinen echten Freunden über Facebook Kontakt halten wollte, müsste ich mir wohl noch ein zweites Profil mit einem Decknamen anlegen, aber das habe ich nicht.

ZEIT ONLINE: Es gibt noch eine Menge weitere Philipp Lahms auf Facebook ...

Lahm: ... genau deshalb, kam ich darauf, ein eigenes Profil zu erstellen. Ich wurde von einem Bekannten gefragt, ob ich das sei. Wenn es schon so viele gibt, die in meinem Namen veröffentlichen, mach ich es lieber selbst, dachte ich.

ZEIT ONLINE: Haben Sie schon Mal Farmville gespielt?

Lahm: Nein, was ist das?

"Aus dem Skiurlaub habe ich ein Bild von mir veröffentlicht"

ZEIT ONLINE:Farmville ist ein Social Game, welches viele Nutzer auf Facebook spielen. Es geht darum, einen Bauernhof aufzubauen. Wie oft sind Sie denn online auf Facebook?

Lahm: Ich nutze Facebook und das Internet mehr als Informationsquelle. Es ist für mich interessant, um ein Feedback zu bekommen. Ich sehe in kürzester Zeit nach einem Spiel, wie die Leute reagieren. Oder auch nach einem Interview, wie vor einigen Wochen in der Süddeutschen . Pro Woche schreibe ich etwa zwei Mal etwas. Videos kann ich nicht selbst reinstellen, weil ich kein neues iPhone habe. Dabei hilft mir meine Agentur.

ZEIT ONLINE: Das heißt, die Texte auf Ihrer Facebook-Seite kommen tatsächlich von Ihnen?

Lahm: Ich bin zumindest jedes Mal beteiligt, das ist ja meine Seite, ähnlich wie meine Homepage. Wenn ein Eintrag während eines Spiels erscheint, ist der natürlich nicht von mir. Aber nach dem Spiel telefoniere ich mit meinem Management und in der Agentur veröffentlichen sie etwas. Ich schau mir abends mit meinem Laptop oft an, was die Leute kommentiert haben. Vergangene Woche habe ich von Terminen mit Sponsoren geschrieben. Vor Weihnachten und nach Sylvester habe ich Bilder aus dem Skiurlaub gepostet.

ZEIT ONLINE: Wie viel Privates geben Sie über sich freiwillig bekannt, wo ist Ihre Grenze?

Lahm: Diese Informationen sind interessant, geben aber nicht nur private Dinge preis. Aus dem Skiurlaub habe ich etwa ein Bild von mir und meinem ehemaligen Mannschaftskollegen beim FC Bayern Andreas Ottl veröffentlicht. Wer in der Öffentlichkeit steht, sollte was von sich preisgeben. Dass ich im Sommer heiraten werde, habe ich auch kundgetan. Aber ich werde dort nie schreiben, wo ich mit meiner Freundin essen gehe.

ZEIT ONLINE: Was sagt Ihre baldige Frau dazu, dass Sie auf Ihrem Profil im Dirndl zu sehen ist?

Lahm: Davon weiß sie. Die Bilder sind in der Öffentlichkeit entstanden, als wir mit dem FC Bayern auf dem Oktoberfest waren. Meine Freundin hat in diesen Dingen ein Mitspracherecht.

ZEIT ONLINE: Inwiefern nutzen sie Facebook und Co., um die Marke Philipp Lahm besser zu vermarkten?

"Im Internet ist auch viel Unsinn unterwegs"

Lahm: Es ist schwer, über sich selbst als Marke zu sprechen. In erster Linie ist das Facebook-Profil ein Service für die Fans. Es ist eine gute Plattform, um sich zu zeigen, ein idealer Weg, um die Fans zu informieren.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie davon?

Lahm: Ich sehe beispielsweise, wie die Leute auf mich reagieren.

ZEIT ONLINE: Facebook, StudiVZ , Lokalisten und andere Social-Networks werden von immer mehr Menschen genutzt. Die einen sagen, das ist ein Hype, andere sprechen von der zukünftigen Realität für alle. Was sagen Sie?

Lahm: Ein bisschen Hype ist dabei, im Internet ist auch viel Unsinn unterwegs. Aber diese neuen Kommunikationswege sind eben die einfachste Art sich auszutauschen. Für mich, der viel unterwegs ist, ist zum Beispiel Skype einfach sensationell. Ich bin kein Computer-Guru, aber die Videotelefonie ist so praktisch. Wenn ich in Hotels bin, schaue ich mir oft meine Seiten im Internet an.

ZEIT ONLINE: Schauen Sie sich manchmal auf YouTube Ihre schönsten Tore an?

Lahm: Auf YouTube bin ich oft, wenn ich in der Nacht etwas verpasst habe. Wenn es etwa ein Basketball- oder Tennisspiel gab, schaue ich am nächsten Morgen, ob es auf YouTube Auszüge zu sehen gibt. Aber auf YouTube muss man wissen, was man sucht. Auch da gibt es viel Mist.

ZEIT ONLINE:

Ihr Kollege Lewis Holty vom VfL Bochum

. Sie haben auch einen Account. Sind Sie ähnlich begeistert wie von Facebook?

Lahm: Nein, twittern tu ich nicht, da kenne ich mich nicht aus.

ZEIT ONLINE: Vereinfacht gesagt, ist Twitter die Möglichkeit, Nachrichten in SMS-Länge im Internet zu veröffentlichen. Die Sportredaktion von ZEIT ONLINE twittert zum Beispiel, wenn es News gibt.

Lahm: Hört sich interessant an. Wenn Sie das machen, kann ich sicher sein, dass das die Wahrheit ist, die verbreitet wird. Aber ob man allen anderen glauben kann? Das heißt also, es gibt schon jemanden, der in meinem Namen über Twitter Sachen schreibt?

ZEIT ONLINE: Dass Sie mit dem FC Bayern 1:0 gegen den HSV gewonnen haben, hat der oder diejenige schon getwittert.

Lahm: Hört sich nach einer guten Idee an, um Informationen zu verbreiten. Aber da muss ich mal nachhaken, Philipp Lahm bin ja ich.

Die Fragen stellteSteffen Dobbert.