Valerie Assmann weiß genau, worum es geht. Die Berliner Mittelfeldspielerin musste damals bei ihrem Fußball-Abenteuer in Teheran selbst den Hijab tragen – das Kleidungsstück, das jetzt für Verbote und Proteste sorgte. "Beim Training war es ungewohnt, beim Spielen aber haben wir es total vergessen", sagt sie. "Wir hatten nur Schwierigkeiten uns zu verständigen, weil der Hijab die Ohren etwas zudrückt."

Der Hijab ist ein Kopftuch, eng geschnürt. Die iranische Frauenfußball-Nationalmannschaft muss es aus religiösen Gründen tragen, zusammen mit langen Shirts und Hosen. Anders lässt der Verband seine Sportlerinnen nicht auflaufen. Das ist die iranische Regel.

Aber es gibt noch eine andere, eine internationale Regel. Laut Regelbuch des Fußball-Weltverbandes Fifa darf die "vorgeschriebene Grundausrüstung keine politischen, religiösen oder persönlichen Botschaften aufweisen". Der Hijab soll gegen diese Richtlinie verstoßen.

Zwischen diesen Regeln steht das iranische Frauenfußball-Team. Das wurde nun vom Fußballturnier der Olympischen Jugendspiele in Singapur ausgeschlossen, die im August erstmals ausgetragen werden. "Die Fifa sollte eine Ausnahme erlauben", sagt Valerie Assmann. "Damit würde sie viel möglich machen."

Frauenfußball ist im Iran mehr als nur ein Sport, das hat Valerie Assmann mit ihrer Mannschaft, dem BSV al-Dersimspor aus Berlin vor einigen Jahren selbst erfahren. Die Berlinerinnen flogen 2006 nach Teheran und wurden von den Iranerinnen als erstes europäisches Fußball-Team seit 27 Jahren empfangen. Am Ende des Spiels standen ein 2:2 und der Dokumentarfilm Football Under Cover, der auch die Geschichte der iranischen Frauen-Nationalmannschaft erzählt.

Fußball spielt in Iran eine ganz besondere, oft auch politische Rolle. Gerade der Frauenfußball. Denn er bietet vielen Spielerinnen die Möglichkeit, aus einem rigiden Alltag auszubrechen. Bereits Anfang der siebziger Jahre, als der Sport selbst in Deutschland noch mit großen Widerständen zu kämpfen hatte, lud sich die iranische Nationalelf das Frauenteam aus Italien ein. Mit der iranischen Revolution 1979 war den Frauen der Fußball verboten worden.

Doch langsam kämpften sich die Frauen ihr Recht zurück. Mittlerweile soll es wieder etwa 30.000 aktive Fußballerinnen geben. Aber: Noch immer dürfen Frauen nicht Spielen der Männer zuschauen und umgekehrt, was dazu führte, dass beim Gastspiel der Berliner Amateure nur Zuschauerinnen im Stadion waren. Selbst der Präsident des Berliner Vereins musste unruhig vor dem Stadion auf und ab laufen. Trotzdem zeigen Fußball spielende Frauen, dass sie selbst etwas bewegen können, der Sport soll Mut machen. "Fußball hat dort eine große Macht", sagt Valerie Assmann. Deshalb kritisiert sie die Fifa-Entscheidung: "Sie schränkt diejenigen ein, die sowieso schon eingeschränkt sind."

Einen Protest Irans lehnte der Fußball-Weltverband bereits ab. Während die Fifa, die auch während der olympischen Fußballturniere über die Einhaltung der Regeln wacht, die Bekleidung nicht akzeptiert, ist ein Kopftuch für andere Sportverbände anscheinend kein Problem. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking starteten ein knappes Dutzend Athletinnen aus muslimischen Ländern mit einem Hijab. Beim Rudern, Bogenschießen und in der Leichtathletik.

Ungeachtet des neuen Fußball-Kopftuchstreits haben Valerie Assmann und ihre Mitspielerinnen die Frauen Irans im Juli zu einem Turnier nach Deutschland eingeladen. Zusammen mit Mannschaften aus Sambia, Ecuador, Afghanistan und Israel. Dort können die Iranerinnen dann tragen, was sie wollen.