Niemand betont den Vornamen von Franck Ribéry derart elegant wie Stephan Lehmann, der Stadionsprecher des FC Bayern München. Nach jedem Tor des Franzosen lässt er Francks "R" so inbrünstig durch die Allianz Arena rollen, dass man manchmal Angst hat, er könnte dabei seine Zunge verschlucken. Doch Lehmann konnte sich zuletzt seltener austoben, Schuld war der Franzose. Und seine Mitspieler.

Was bis vor Kurzem noch undenkbar war, kommt nun immer öfter vor. Der FC Bayern spielt erfolgreich und Franck Ribéry spielt nur mit. Bei den erfolgreichen Champions-League-Schlachten in dieser Spielzeit in Turin, Florenz und Manchester blieb dem Franzosen nur eine Nebenrolle und selbst beim 7:0 der Bayern gegen Hannover am vergangenen Wochenende blieb Ribéry tor- und vorlagenlos.

Inmitten des allgemeinen bajuwarischen Jubels stapfte Ribéry bei seiner Auswechslung mürrisch vom Platz. "Wir hatten das vereinbart", sagte sein Trainer Louis van Gaal nach dem Spiel. "Ich habe ihn ein bisschen gerettet." Offiziell ging es um einen verhärteten Muskel.

"Zirkus Robben", "Super-Robben", "Robbenmania" – all die Superlative, die Bayerns neuem Star, Arjen Robben, im Moment an die schmale Brust geheftet werden, gehörten einst Franck Ribéry, dem Star vergangener Tage. Der muss die Erkenntnis verkraften, dass er nicht mehr der einzige Bayern-Spieler ist, der ein Spiel alleine entscheiden kann. Was nicht daran liegt, dass Ribéry wirklich schlecht spielt, sondern daran, dass sich aus einem gewöhnlichen Angriff um ihn herum eine der geistreichsten Offensiven Europas entwickelt hat. Ribéry ist eine Art Kreativvater, dem seine Kinder langsam über den Kopf wachsen.

Es ist vielleicht der größte Erfolg des Systems van Gaal, dass er die Abhängigkeit des Bayern-Spiels von den Launen seines französischen Anarchisten reduziert hat. Das bringt den FC Bayern bei den nun kurz vor dem Abschluss stehenden Gesprächen über dessen Vertragsverlängerung in eine durchaus komfortable Verhandlungssituation. Die Bayern würden ihn gerne behalten, Ribérys Wechsel aber wäre längst kein sportlicher GAU mehr. "Wir tun gut daran, sehr entspannt und relaxt mit der Personalie Ribery umzugehen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Es fällt schwer, Franck Ribéry genau zu verstehen. Er zerschneidet gerne mal die Socken der Mitspieler oder stibitzt den Mannschaftsbus für eine Spritztour in der Hoteleinfahrt. Wahrscheinlich ist er tatsächlich ein Spieler, der die Aufmerksamkeit braucht und im Schatten eines größeren Stars langsam die Lust verlieren würde. Vielleicht aber freut er sich über die neue Situation. Vielleicht ist er froh darüber, nicht mehr jedes Spiel immer und überall allein entscheiden zu müssen. Und vielleicht hat er ja gerade das gesucht, als er den ganz großen Vereinen des Weltfußballs schöne Augen machte und kann nun beruhigt seinen Bayern-Kontrakt verlängern.

Beim FC Bayern jedenfalls ließen sie verlauten, dass ihnen Ribéry genauso wertvoll wie Robben sei. "Ribery steigert sich jedes Spiel und ist immer entscheidend. Er hat Tore gemacht, bereitet Tore vor – und immer die wichtigsten", sagt Louis van Gaal. So wie beim entscheidenden 2:3 in Manchester. Dort schlug Ribéry einen Eckball auf einen Kollegen, der mittels Direktabnahme das bisher schönste Tor der Bayern-Spielzeit erzielte. Sein Name: Arjen Robben.