Mit zehn Spielern hat Inter Mailand den Sturmlauf des Titelverteidigers FC Barcelona gestoppt. Acht Tage nach dem 3:1-Sieg im heimischen Giuseppe-Meazza-Stadion verlor Italiens Meister vor 90.000 Zuschauern im Camp-Nou-Stadion zwar mit 0:1 (0:0), zog aber erstmals seit 1972 wieder in ein europäisches Landesmeisterfinale ein. Der Treffer von Gerard Pique in der 84. Minute war zu wenig für Barcelona.

Einen bitteren Abend erlebte Barcelonas Weltfußballer Lionel Messi, der auch in seinem siebten Spiel gegen ein von Mourinho betreutes Team leer ausging. Mit vier Toren gegen den FC Arsenal hatte der argentinische Wirbelwind seine Mannschaft ganz alleine ins Halbfinale geschossen.

Die Rollen waren von Beginn an klar verteilt: Mit dem Zwei-Tore-Polster aus dem Hinspiel im Rücken zogen sich die Italiener weit zurück und machten damit die Räume für Barcelonas Künstler eng. Darunter litt vor allem Messi, der sich immer wieder in Zweikämpfen gegen Maicon aufrieb und zunächst nur bei Standardsituationen auf sich aufmerksam machte.

Auch als Inter durch den Platzverweis für Thiago Motta (28.) wegen eines Ellbogenschlags gegen Sergio dezimiert war, kam der großspurig angekündigte "Sturmlauf des Jahrhunderts" der Blau-Roten nicht richtig ins Rollen. Mit einer Klasseparade gegen Messi verhinderte Mailands Tormann Julio Cesar (32.) zwar den drohenden Rückstand, sonst musste der Brasilianer aber nur selten eingreifen. Wegen Spielverzögerungen bei Abstößen handelte sich Cesar die Gelbe Karte vom belgischen Schiedsrichter Frank de Bleeckere ein.

Im zweiten Durchgang bot sich meist das gleiche Bild: Der Tabellenführer der Serie A baute ein engmaschiges Abwehrnetz auf, in dem sich Barcelonas Millionenstars immer wieder verfingen. Außer gelegentlichen Entlastungsaktionen hatten die Mailänder im Spiel nach vorne gar nichts zu bieten. So blieb auch der frühere Barca-Stürmer Samuel Eto'o ohne Torchance.

Nach dem Halbfinal-K.o. für Barcelona bleibt das Gesetz der Serie bestehen: Noch nie hat ein Titelträger in der Champions League seine Trophäe verteidigen können. Im Finale trifft das Team von Trainer Jose Mourinho am 22. Mai in Madrid auf die Münchner Bayern, die sich am Tag zuvor mit 3:0 bei Olympique Lyon das Finalticket gesichert hatten. Damit kommt es für den deutschen Vizemeister zu einem Wiedersehen mit dem früheren Abwehrchef Lucio, der vor Beginn dieser Saison nach Italien gewechselt war.

In den bisherigen Europacup-Duellen gegen Inter behielten die Bayern die Oberhand. So feierten die Münchner in der Gruppenphase der Champions League 2006/2007 einen 2:0-Sieg in San Siro. Legendär war eine Partie im Achtelfinale des Uefa-Pokals 1988/89: Damals folgte einer 0:2-Niederlage im Olympiastadion ein 3:1-Auswärtssieg, der als "Wunder von Mailand" in die Geschichte einging.