Die Experten sind sich einig: Wer Weltmeister werden will, muss sein Basislager in und um Johannesburg aufschlagen, wo das Herz des Turniers schlägt. Schon allein wegen der Höhenanpassung: Die Metropole liegt fast 1800 Meter über dem Meer, hier ist die Luft verdammt dünn. Das haben die ausländischen Teams schon beim Confederations Cup zu spüren bekommen, bei der Generalprobe zur WM im Vorjahr. Die wieselflinken Spanier wirkten merkwürdig fußlahm, den Brasilianern ging die Puste aus.  

Favoriten wie Brasilien, Holland und Argentinien werden sich also in Jo’burg und Umgebung einquartieren, ebenso der Möchtgern-Favorit Italien. Und natürlich auch Joachim Löws Truppe, bei der man unabhängig von der Kuranyi-Frage nie so genau weiß, was man erwarten darf.

Ballack & Co haben im Velmore Grande gebucht. Das nagelneue Luxushotel liegt in Erasmia, einem verschnarchten Nest südwestlich der Hauptstadt Pretoria. Weite Steppe ringsum, provenzalischer Baukitsch, metallic-schwarze Wände – die Anlage ist bestens geeignet für einen Lagerkoller.

Aber vielleicht dürfen manche Gebäudetrakte gar nicht bezogen werden, weil sie angeblich ohne behördliche Genehmigung gebaut wurden. Teammanager Oliver Bierhoff inspiziert gerade das base camp. Schwimmen noch Frösche im Pool, wie die Süddeutsche Zeitung behauptet? Funktionieren endlich die Internet-Anschlüsse? Ist der Trainingsacker schon bespielbar?

Solche Gedanken müssen sich die Engländer, denen man diesmal viel zutraut, nicht machen. Sie logieren und trainieren im Bafokeng Sports Campus in den Magaliesbergen, die Weltklasse-Anlage ist gerade gut genug für die ehemaligen Kolonialherren. Die Franzosen wählten weit ab vom Schuss das Städtchen Knysna – vermutlich wegen der köstlichen Austern, die dort gezüchtet werden. Die Nigerianer und Kameruner wohnen in der Nähe von Durban, um sich klimamäßig wie daheim zu fühlen: In der Metropole am Indischen Ozean ist es heiß und feucht wie in einer Sauna.

Und der Geheimfavorit Spanien? Der will sich in aller Stille auf den großen Coup vorbereiten, in Potchefstroom, der langweiligsten Stadt Südafrikas.

Umstritten war eigentlich nur die Herbergssuche der Nordkoreaner. Sie erhielten eine Einladung der simbabweschen Regierung nach Bulawayo, in die Hauptstadt des Matabelelandes. Dort ließ Diktator Robert Mugabe in den achtziger Jahren Tausende von Regimegegnern abschlachten – von der Fifth Brigade, einer Eliteeinheit, die nordkoreanische Militärexperten gedrillt hatten. Ein später Dank des Despoten sozusagen. Basislager im Ausland sind von den WM-Organisatoren nicht zugelassen – aber das stört die Apparatschiks aus Nordkorea nicht: Ihre Gurkentruppe soll zumindest das Abschlusstraining in Bulawayo durchziehen.  

Bafana Bafana, die chaotische Auswahl der Südafrikaner, fand übrigens in allerletzter Minute eine Unterkunft in Johannesburg. Wo Drogba und die Ballzauberer von der Elfenbeinküste residieren, wird nicht verraten. Les Elephants sind schließlich mein Wunsch-Weltmeister.