Oktober 2009. Der FC Bayern München nach Jürgen Klinsmann spielte immer noch mehr Rumpel- als Ruhmesfußball. Der FCB war so schlecht in die Saison gestartet wie seit 43 Jahren nicht mehr. Trainer Louis van Gaal wurde bereits von den Zeitungen und intern in Frage gestellt und mit Häme überschüttet, weil er sich auf dem Oktoberfest in München selbst gut gefiel in Lederhosen. "Ich habe einen Körper wie ein Gott", soll er da gesagt haben.

Am 10. Spieltag in der Allianz Arena – es war der 24. Oktober – stand es nach 86 Minuten gegen Eintracht Frankfurt immer noch 1:1. Der knorrige Trainer holte Luca Toni vom Platz, brachte zum allgemeinen Erstaunen Martin Demichelis und schickte Daniel van Buyten in den hessischen Strafraum. Es war der erste seiner genialen Schachzüge. In der vorletzten Minute gelang dem hünenhaften Belgier der Siegtreffer. Grund für die FAZ, den so trefflichen Begriff vom "FC van Bayern" zu erfinden. Van Gaal, van Bommel, van Buyten und obendrein noch Robben, wenn auch ohne van.

Das "Van" steht für die Hollandisierung der Bayern. Deswegen ist der 22. Titel des deutschen Rekordmeisters etwas ganz Besonderes. Der 58-jährige Fachmann von Welt ist in der langen Reihe holländischer Fußball-Lehrer in der Bundesliga – angefangen beim legendären Rinus Michels (Köln und Leverkusen in den Achtzigern) – der erste Holländer, der Meister wurde. Was die selbstgefällige Respektsperson mit Stolz erfüllt.

Vier Tage nach dem 3:0 in Lyon tanzte und kniete seine Mannschaft erneut vor den Fans. Nicht in vorbereiteten Meister-T-Shirts, nur in den neuen, rot-weiß-gestreiften Trikots, wie sie die Beckenbauer-Bayern einst beim Titelgewinn 1969 (dem zweiten) trugen. Denn die Insignien des Triumphes und der Feier, Meisterschale und Bierdusche, gibt es erst nach dem letzten Spieltag in Berlin gegen die abgestiegene Hertha.

Nach dem 3:1 gegen den VfL Bochum durch drei Tore des erst 20-jährigen Thomas Müller und dank der 0:2-Niederlage Felix Magaths und des FC Schalke gegen Werder Bremen ist alles bereits nach dem vorletzten Spieltag entschieden.

Vom möglichen "Triple" aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League hat van Gaal jene Trophäe bereits erobert, die nach eigener Diktion und der der Bayern-Bosse stets "oberste Priorität" (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge) hatte. Das Pokalfinale am 15. Mai in Berlin gegen Werder Bremen und das Endspiel der Champions League am 22. Mai in Madrid gegen Inter Mailand werden als Kür und Krönung einer möglichen "historischen Saison" (Rummenigge) angegangen.

Nach all den Zweifeln und Zweiflern nun Glanz und Gloria. Einer hatte von Anfang immer an van Gaal geglaubt: sein Landsmann Mark van Bommel. "Seit dem ersten Tag mit ihm haben wir eine klare Idee, wie wir spielen müssen. Wir brauchten nur einige Zeit, um das umzusetzen. Und diese Zeit musste man dem Trainer lassen. Wenn das System einmal greift, dann läuft es. Heute sieht jeder: Wie wir spielen, das trägt seine Handschrift."