Es geht um Frauen und Männer, um Glück, um Spitzensport und Sex. Die Geschichte von Balian Buschbaum passt perfekt ins Medienschema. Plakativ und knallig in der Bild – ohne dass diese je mit ihm gesprochen hätte. Zurückhaltender in Günther Jauchs roten Stern TV-Sesseln. Balian Buschbaum, der als Yvonne deutsche Meisterin im Stabhochsprung war, hat ein Buch über Transsexualität geschrieben. Über seine Transsexualität. In erster Linie wollte Buschbaum sich selbst erklären – seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten gegenüber. Doch das Buch schnellte bis auf Rang 18 der Spiegel-Bestsellerliste.

Der Verlag hätte es gerne "Ich war eine Frau" benannt. Aber Buschbaum wollte das nicht. "Ich war nie eine Frau. Ich war schon immer ein Mann, nur hatte ich den falschen Körper."

ZEIT ONLINE: Herr Buschbaum, was ist das für ein Gefühl, im falschen Körper zu stecken?

Balian Buschbaum: Das ist schwer zu beschreiben. Meine Kindheit war cool. Ich habe mich ganz normal wie ein Junge verhalten und war total glücklich. Begonnen haben die größeren Probleme, als ich in die Pubertät kam. Da hat es einfach nicht mehr zusammengepasst. Die Zeit von 14 bis 24 war eine schwierige Zeit. Da hat es mich gelegentlich auch innerlich zerrissen.

ZEIT ONLINE: Viele Transsexuelle zerbrechen an dieser Zerrissenheit und an der Diskriminierung durch die Gesellschaft.

Buschbaum: Dass ich nicht daran zerbrochen bin, lag an mehreren Faktoren: Der Sport war wichtig, aber auch meine Familie und meine Freunde. Aber es ist auch so: Wenn man diskriminiert wird, dann gibt es immer einen, der das ausspricht – und einen, der das annimmt. Und das habe ich nie. Wenn mir jemand blöd kam, gab es sofort Feuer zurück. Ich habe nicht eingesehen, mich blöd anmachen zu lassen. Es gibt so viele unterschiedliche Charaktere. Man muss die Menschen nehmen wie sie sind. Hauptsache ist doch, dass sie glücklich sind.

ZEIT ONLINE: Sie sind sehr offen und direkt. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie jemand auf eine mögliche Geschlechtsumwandlung angesprochen hat?

Buschbaum: Zunächst sollte ich erwähnen, dass es keine Geschlechtsumwandlung ist, sondern eine Angleichung. Angleichung an mein angelegtes Geschlecht im Gehirn, dessen Bauplan nach außen leider falsch zusammengesetzt wurde. In der Architektur passieren solche Fehler täglich, warum dann auch nicht in der Natur? Richtig erklären kann ich mir das nicht. Vielleicht haben mich die Menschen so gesehen, wie ich war und wie ich mich gefühlt habe. Dementsprechend hat sich niemand daran gestört. Meine Freunde hatten wohl immer den Eindruck, dass ich glücklich war, weil ich das nach außen vermittelt habe. Ich bin ein fröhlicher Mensch. Es gab natürlich traurige, schlimme Augenblicke. Aber die habe ich dann nicht mit allen geteilt. Für mein Umfeld war das Bild von mir stimmig. Aber für mich selbst war das zu wenig.