ZEIT ONLINE: Herr Krupp, Gratulation zum vierten Platz, dem besten WM-Resultat einer deutschen Mannschaft seit 57 Jahren. Wie fällt Ihre Bilanz dieses Turniers aus?

Uwe Krupp: Wir müssen zufrieden sein mit der Leistung der Mannschaft, ganz klar. Das hätte man so nicht erwarten können. Wir haben für positive Schlagzeilen gesorgt. Das kann aber auch eine Momentaufnahme sein. Jede Aufmerksamkeit kommt eben nur über den sportlichen Erfolg.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet Ihnen persönlich dieser Erfolg bei der WM?

Krupp: Ich bin natürlich stolz auf die Mannschaft, aber was das persönlich für mich bedeutet, ist zweitrangig. Ich freue mich für die Jungs, dass ihre Gesichter in der Öffentlichkeit zu sehen waren und ihr Erkennungswert gestiegen ist. Das hilft uns.

ZEIT ONLINE: Was bleibt nach dieser WM für das deutsche Eishockey?

Krupp: Es war schön zu sehen, wie die Nationalmannschaft im ganzen Land eine Euphorie entfacht hat. In diesem Jahr hatten wir eine gelungene Vorbereitung, auch weil die Berliner Spieler frühzeitig aus den Play-offs ausgeschieden sind und zur Vorbereitung der Nationalmannschaft stießen. So konnten wir früh mit dem Kern der Mannschaft arbeiten. Früher fehlte uns oft diese Zeit, weil wichtige Spieler noch bis kurz vor dem Turnier bei ihren Clubs beschäftigt waren.

ZEIT ONLINE: Wie zuversichtlich sind Sie, dass sich an den Bedingungen für das Nationalteam etwas verbessert?

Krupp: Jede Sportart identifiziert sich über die Nationalmannschaft. Wenn wir alle darin übereinstimmen, steht einer guten Zukunft nichts im Weg. Aber ich bin nicht naiv. Wenn den Clubs das Wasser finanziell bis zum Hals steht, dann geht vielleicht nicht immer alles wie gewünscht. Die WM war aber ein guter Akzent. Ich bin noch nie so oft auf Eishockey angesprochen worden wie jetzt.

ZEIT ONLINE: Sie haben sich bei dieser WM gegen "Schulterklopfer" verwahrt und kritisierten, dass die Medien die Leistungen der Mannschaft in der Vergangenheit oft zu negativ dargestellt haben.

Krupp: Ja, leider ist die Berichterstattung sehr oberflächlich. Es gibt nur wenige Journalisten, die sich zum Beispiel eine Torhüterstatistik ansehen und berücksichtigen, dass wir bei den Olympischen Spielen in Vancouver (Platz 11; vier Niederlagen in vier Spielen, Anm. d. Red.) eine Fangquote von etwa 78 Prozent und bei dieser WM eine Fangquote von 96 Prozent haben. Die Berichterstattung ist sehr von Resultaten beeinflusst. Aber ich messe die Leistung nicht an den Ergebnissen. Wenn die Jungs wieder alles gegeben haben, aber das erste Spiel verlieren, heißt es trotzdem: Auftaktpleite. Das ärgert mich. Ich sehe es als meine Aufgabe an, mich schützend vor die Spieler zu stellen.

ZEIT ONLINE: Bei der WM 2008 in Kanada legten Sie Fans den Heimflug nahe, weil diese den Rücktritt von Sportdirektor Reindl forderten. Ein Jahr später wurden Sie von einem Fan sogar mit Bier beschüttet. Bei der diesjährigen WM gab es trotz des großen Erfolges keine Uwe-Krupp-Sprechchöre. Wie empfinden Sie das Verhältnis zu den Fans heute?

Krupp: Es gab keine Sprechchöre, das stimmt, aber ich befinde mich auch nicht in einem Popularitäts-Wettbewerb. Schon bei der Aufstellung bringst du immer Leute gegen dich auf. Insgesamt habe ich aber sehr positive Erfahrungen mit den Fans gemacht. Ich habe zum Beispiel noch nie so viele positive, aufbauende Worte wie bei der WM vor einem Jahr in Bern gehört, als es für uns richtig schlecht lief.

ZEIT ONLINE: Viele internationale Stars sagten ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft ab oder waren noch in den Play-offs in Nordamerika beschäftigt. Einzig die russische Mannschaft hatte fast alle ihre Stars dabei. Wo steht die deutsche Mannschaft nun im internationalen Vergleich?

Krupp: Wir werden immer um die Zwischenrunde und das Viertelfinale kämpfen, das wird sich kurzfristig nicht ändern. Für die Zukunft hoffe ich jedoch, dass wir nicht nur an den Resultaten gemessen werden, sondern auch daran, wie wir spielen.

Die Fragen stellte Florian Meißner