Löw sagte, der disziplinarische Vorfall vom Oktober 2008 habe bei der Entscheidung "letztlich keine Rolle mehr gespielt" – Kuranyi hatte im Oktober unerlaubt das Stadion verlassen und sich damit Ärger eingehandelt.

Es wäre kein Problem gewesen, Kuranyi in der Nationalmannschaft eine neue Chance zu geben , erläuterte der Bundestrainer.

Bei allen Überlegungen im Trainerteam sei man "jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass wir taktisch und personell andere Vorstellungen für die Zusammenstellung des WM-Aufgebots haben".

Dies habe er mit dem 28-Jährigen, der "eine starke Saison gespielt hat und den ich für einen charakterlich einwandfreien Profi halte", in aller Offenheit am Telefon erörtert.

Kuranyi hatte im Oktober 2008 in der Pause des WM- Qualifikationsspiels gegen Russland in Dortmund das Stadion ohne Rücksprache mit Löw verlassen. Seitdem war er nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft berücksichtigt worden.

Der Schalke-Stürmer reagierte enttäuscht. Er habe schon als Kind davon geträumt, an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu dürfen. "Dieser Traum ist jetzt bereits zum zweiten Mal geplatzt. Deshalb ist es klar, dass mich diese Entscheidung sehr traurig macht."

Er habe sportlich in dieser Saison sein Bestes gegeben, schrieb Kuranyi in seinem Blog. "Leider hat das nicht gereicht. Aber das ist eine Entscheidung des Bundestrainers, die ich akzeptiere und respektiere."

Er wisse auch, "dass ich damals Mist gebaut habe, als ich gegen Russland das Stadion in der Halbzeit verlassen habe". Dafür habe er sich entschuldigt.

Er wünsche dem Bundestrainer und der Mannschaft das Beste für Südafrika. "Und ich werde wie jeder Fan vor dem Fernseher die Daumen drücken."

Bei der Nominierung des WM-Kaders am Donnerstag in Stuttgart will Löw zunächst ein erweitertes Aufgebot bekannt geben. Die Entscheidung, welche 23 Spieler endgültig für das Turnier in Südafrika nominiert werden, werde er dann mit Ablauf der FIFA-Meldefrist am 1. Juni 2010 während des Trainingslagers in Südtirol fällen, hieß es beim Deutschen Fußball-Bund.