Imke Duplitzer hält nichts von Pädagogik mit dem Holzhammer, ihr Leitbegriff ist Offenheit. Die Fechterin, die vier Mal an Olympia teilgenommen hat, trainiert in Bonn Jugendliche zwischen dreizehn und neunzehn Jahren. Sie möchte sie zu Erfolgen führen, doch nicht nur das. Sie möchte sie auch zum Nachdenken über Klischees und Diskriminierung anregen.

Beiläufig erwähnte Duplitzer nach dem Training, dass sie mit ihrer Lebensgefährtin im Urlaub war: "Erst wird kurz gefrotzelt und gekichert. Doch mit der Zeit ist Homosexualität dann nicht mehr fremd und abstrakt, sondern normal und fast schon langweilig." Das gelte übrigens auch für manche Eltern der Fechttalente, die sie zum Grillen eingeladen hat.

Duplitzer war Gast der Ausstellung Gegen die Regeln , die am Dienstagabend im Roten Rathaus Berlins eröffnet wurde. Auf Bannern wird über lesbische und schwule Idole informiert, über die französische Tennisspielerin Amélie Mauresmo oder den kanadischen Schwimmer Mark Tewksbury, über Aktivisten und Institutionen. Aber auch homophobe Übergriffe.

Die Ausstellung steht für Substanz und Detailreichtum. Sie ist ein Dokument der Sachlichkeit, nachdem der Schiedsrichterstreit zwischen Manfred Amerell und Michael Kempter das Thema Homosexualität im Fußball zuletzt wieder in eine Schmuddelecke gezogen hatte. Private SMS und E-Mails wurden ausgebreitet, in manchen Medien wurden Gesichtszüge und Frisur von Kempter interpretiert, der sich von Amerell belästigt gefühlt haben will.

In den vergangenen vier Jahren sind über das große Tabu im Spitzensport Hunderte Artikel geschrieben, Fernsehbeiträge gedreht, Radiointerviews gesendet worden. Der Konflikt Amerell/Kempter zeigt, dass viel diskutiert, aber wenig verstanden wurde – noch immer wird die Suche nach dem Premieren-Outing in der Bundesliga wie eine Fahndung verkauft.